ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2018Intelligenztest: Integration von interdisziplinärer Forschung

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Intelligenztest: Integration von interdisziplinärer Forschung

PP 17, Ausgabe März 2018, Seite 136

Koch, Joachim

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Nach ziemlich genau zehn Jahren ist jetzt die fünfte Version der WISC (früher unter dem Namen HAWIK publiziert, einem der weltweit bedeutendsten Intelligenztests) in der deutschsprachigen Adaption erschienen. Die Normierung wurde im Wesentlichen im Jahr 2016 durchgeführt. Die WISC-V ist als umfassendes Einzeltestverfahren zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 16 Jahren konzipiert worden. Sie kann im Rahmen vielfältiger kinderpsychologischer und pädagogischer Fragestellungen eingesetzt werden.

Die WISC-V unterscheidet sich von ihren Vorgängern, weil neue Forschungsergebnisse aus verschiedenen Gebieten integriert wurden.
Sie besteht aus 15 Untertests. Folgende 12 Untertests wurden aus der WISC-IV beibehalten: Mosaik-Test, Gemeinsamkeiten finden, Matrizen-Test, Zahlen nachsprechen, Zahlen-Symbol-Test, Wortschatz-Test, Symbol-Suche, Allgemeines Wissen, Buchstaben-Zahlen-Folgen, Durchstreich-Test, Allgemeines Verständnis und Rechnerisches Denken. Drei neu entwickelte Untertests, die zu den primären gehören, wurden in die WISC-V integriert: Visuelle Puzzles, Formenwaage und Bilderfolgen. Visuelle Puzzles erfassten die mentale, motorikfreie Konstruktionsfähigkeit. Ein abgebildetes Puzzle soll aus drei auszuwählenden Puzzleteilen rekonstruiert werden. Dazu sind erforderlich: visuelles und räumliches Schlussfolgern, mentale Rotation, visuelles Arbeitsgedächtnis, Verstehen von Teil-Ganzes-Beziehungen und die Fähigkeit zur Synthetisierung abstrakter visueller Stimuli. Formenwaage ist ein Untertest zum schlussfolgernden Denken. Aus mehreren Antwortmöglichkeiten soll diejenige Figur herausgesucht werden, die eine Waage mit zwei Waagschalen ins Gleichgewicht bringt. Der Untertest Bilderfolgen dient dazu, das visuelle Arbeitsgedächtnis erfassen zu können. Ein oder mehrere Bilder sollen in der richtigen Reihenfolge wiedererkannt werden.

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Die WISC-V hat drei verschiedene Interpretationsebenen: den Gesamt-IQ und die primären sowie sekundären Indizes. Die primären Indizes werden mithilfe von zehn (primären) Untertests gebildet und umfassen folgende fünf Skalen: Sprachverständnis, Visuell-räumliche Verarbeitung, Fluides Schlussfolgern, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Um intellektuelle Fähigkeiten umfassend beschreiben und beurteilen zu können, wird empfohlen, den Gesamt-IQ und die fünf primären Indexwerte zu bestimmen. Die sekundären Indizes nutzen primäre wie sekundäre Untertests und fassen folgende fünf Skalen: Quantitatives Schlussfolgern, Auditives Arbeitsgedächtnis, Nonverbaler Index, Allgemeiner Fähigkeitsindex und Kognitiver Leistungsindex.

Während früher beim HAWIK bei der Interpretation der Testergebnisse der Gegenüberstellung von Handlungs- und Verbaltteil eine besondere Bedeutung zugemessen wurde, werden bei der WISC-V etliche Möglichkeiten zu Diskrepanzvergleichen auf Index wie auf Untertestebene vorgeschlagen. Die fünf sekundären Untertests erlauben eine umfassendere Erhebung kognitiver Funktionen. Der Test verfügt über zwei umfangreiche Manuale, in denen alles gut verständlich erklärt wird. Neben der Paper-Pencil-Version ist auch eine komfortable Auswertung am PC möglich. Nach der Eingabe der Rohwerte werden automatisch alle Kennwerte berechnet. Es wird ein Report erstellt, der auch einen schriftlichen Kurzbericht enthält. Joachim Koch

WISC-V Deutsche Fassung der WISC-V Wechsler Intelligence Scale for Children – Fifth Edition von David Wechsler. Pearson Deutschland, Frankfurt a. M. 2017, Bearbeiter der deutschen Fassung ist Franz Petermann, Gesamtsatz 1 519 €.

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