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Unkomplizierte Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten, führen oft zu einem Arztbesuch und tragen damit wesentlich zur ambulanten Verordnung von Antibiotika bei (1).

Goldstandard in der Diagnosestellung einer unkomplizierten Harnwegsinfektion gemäß der aktualisierten AMWF-S3-Leitlinie ist die Kombination aus klinischen Symptomen und Durchführung einer Urinkultur mit Bestimmung auch niedriger Erregerzahlen, einer Differenzierung und Empfindlichkeitsprüfung. Doch leider wird dieser Goldstandard im klinischen Alltag häufig nicht umgesetzt. Gründe, die hierfür seitens der Ärzteschaft aufgeführt werden, sind eine mangelnde Praktikabilität sowie die Tatsache, dass es ökonomisch nicht sinnvoll sei, da die Resultate der Austestung erst nach bereits (erfolgreich) durchgeführter Therapie vorliegen. Im Rahmen der Aktualisierung der Leitlinie haben wir daher versucht, Instrumente zu entwickeln, welche zumindest eine unnötige Antibiotikaverordnung verhindern. Mit dem validierten Fragebogen ACSS (Acute Cystitis Symptom Score) können aufgrund klinischer Kriterien die Diagnose einer unkomplizierten Zystitis mit hoher Sicherheit gestellt, der Schweregrad der Beschwerden eingeschätzt, der Verlauf beobachtet und der Effekt einer Therapie messbar gemacht werden.

Regelmäßige Untersuchungen zur Bestimmung der Resistenzsituation sind natürlich, wie von Prof. Jantsch richtig angemerkt, unbedingt erforderlich, da sie die Basis für eine kalkulierte antibiotische Therapie darstellen. Im Gegensatz zur ersten Auflage der Leitlinie liegen inzwischen eine Reihe von Querschnittstudien zur Erfassung der Resistenzsituation im ambulanten Bereich vor. Damit ist inzwischen ein deutlich differenzierteres Bild der Resistenzsituation bei unkomplizierten Infektionen möglich. Die Resistenz bei Nitrofurantoin ist so niedrig, dass momentan nicht zu erwarten ist, dass eine Testung häufig einen Therapiewechsel bedingt. Die Autoren der aktualisierten AWMF-S3-Leitlinie würden es sehr begrüßen, wenn Unternehmungen zur Bewältigung ökonomischer und organisatorischer Hindernisse angestrebt und die Resultate publiziert würden.

Dem Kommentar der Kollegen Schaumburg, Gatermann und Becker stimmen wir uneingeschränkt zu. Richtlinien zur Interpretation der Resistenztestung von Mecillinam und Nitroxolin gegenüber allen relevanten Erregern müssen etabliert und diese Substanzen in den kommerziellen Testpanels berücksichtigt werden; dies ist auch ein erklärtes Ziel der Leitlinie. Zu erwähnen ist hierbei, dass Enterobacter sp., Citrobacter sp., Staphylococcus sp. und Enterococcus sp. bei der unkomplizierten Harnwegsinfektion nicht relevant sind. Vielmehr sollten die gängigen Erreger unkomplizierter Zystitiden im Vordergrund stehen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0192

Dr. med. Jennifer Kranz, FEBU

Klinik für Urologie und Kinderurologie

St. Antonius-Hospital

Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen

Eschweiler

jennifer.kranz@sah-eschweiler.de

Dr. Stefanie Schmidt

Dr. Cordula Lebert

Dr. med. Laila Schneidewind

PD Dr. med. Guido Schmiemann

Prof. Dr. med. Florian Wagenlehner

Interessenkonflikt

Prof. Wagenlehner erhält Honorare für eine Beratertätigkeit von Achaogen, Astra Zeneca, Bionorica, MSD, Pfizer, Rosen-Pharma, Vifor-Pharma und Leo-Pharma. Des Weiteren erhielt er Gelder für die Duchführung von klinischen Studien von MSD, Pfizer, Vifor-Pharma, Rosen-Pharma und Leo-Pharma.

Dr. Kranz erhielt Gelder von Leo-Pharma zur Erstellung einer systematischen Übersichtsarbeit.

Dr. Schmidt erhielt Gelder von Leo-Pharma zur Erstellung einer systematischen Übersichtsarbeit.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kranz J, Schmidt S, Lebert C, Schneidewind L, Schmiemann G, Wagenlehner F: Clinical practice guideline: Uncomplicated bacterial community-acquired urinary tract infection in adults—epidemiology, diagnosis, treatment, and prevention. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 866–73 VOLLTEXT
1.Kranz J, Schmidt S, Lebert C, Schneidewind L, Schmiemann G, Wagenlehner F: Clinical practice guideline: Uncomplicated bacterial community-acquired urinary tract infection in adults—epidemiology, diagnosis, treatment, and prevention. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 866–73 VOLLTEXT

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