ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Fahrtauglichkeit nach Sternotomie
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Der Fortbildungsartikel (1) gibt für am Herz operierte Patienten mit Sternotomie in der Tabelle 4 eine gefährliche Empfehlung. Dort wird festgestellt, dass nach einer Herz-OP eine Fahreignung für Privatfahrer nach 2–4 Wochen gegeben sei. Das mag für ein komplikationslos heilendes Herz-Kreislauf-System ausreichend sein, aber nicht für die Heilung des Sternumknochens. Der genannte Zeitraum reicht nicht, um eine für einen Schulterblick ausreichende Festigkeit des Knochens zu gewährleisten.

Ich kenne mehrere Patienten, die zwischen 14 und 21 Tagen nach einer Herzoperation mit dem Auto in die AHB-Klinik (AHB, Anschlussheilbehandlung) gefahren sind. Später kamen sie zurück mit einer ähnlichen Schilderung: „Autofahren war kein Problem, aber beim Einparken mit Schulterblick am Reha-Parkplatz hat es im Brustkorb knack gemacht, danach wackelten die Sternumhälften locker gegeneinander“.

Manche dieser Patienten müssen erneut operiert werden, bei anderen versucht man, konservativ mit Thorax-Bandagen zu therapieren, wieder andere geben sich mit einem dauerhaft beweglichen Sternum zufrieden.

3 Monate nach Herzoperationen sind nach CT-Kriterien (CT-Score zur Sternumheilung in [2]; CT, Computertomographie) fast keine Sternumknochen ausgeheilt. Nach 6 Monaten zeigen auch nur maximal 7 von 10 Sternumknochen eine vollständige Ausheilung in der CT-Untersuchung (2).

Aus klinischer Sicht sind viele dieser nach CT-Kriterien nicht ausgeheilten Sternumknochen trotzdem fest und die Patienten beschwerdefrei. Dennoch muss die Empfehlung gegeben werden, mindestens 6 Wochen nach einer Herzoperation mit medianer Sternotomie keinen Schulterblick mit Verdrehung des Oberkörpers durchzuführen. Das ist eine körperliche Einschränkung, die nach meinen Fahrschulkenntnissen kein aktives Fahren erlaubt.

6 Wochen sind nach meiner langjährigen Erfahrung die absolute Untergrenze für einen möglichen Schulterblick, und das auch nur bei bei sicherer klinischer Stabilität während der Heilungszeit.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0118b

Dr. med. Arnd Afflerbach

Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie, St.-Johannes-Hospital

arnd.afflerbach@joho-dortmund.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Klein HH, Sechtem U, Trappe HJ: Fitness to drive in cardiovascular disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 692–702 VOLLTEXT
2.
Raman J, Lehmann S, Zehr K, et al.: Sternal closure with rigid plate fixation versus wire closure: a randomized controlled multicenter trial. Ann Thorac Surg 2012; 94: 1854–61 CrossRef MEDLINE
1.Klein HH, Sechtem U, Trappe HJ: Fitness to drive in cardiovascular disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 692–702 VOLLTEXT
2.Raman J, Lehmann S, Zehr K, et al.: Sternal closure with rigid plate fixation versus wire closure: a randomized controlled multicenter trial. Ann Thorac Surg 2012; 94: 1854–61 CrossRef MEDLINE

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