ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Prospektive Beobachtungsstudie: Fertignahrungsmittel könnten Krebsrisiko erhöhen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prospektive Beobachtungsstudie: Fertignahrungsmittel könnten Krebsrisiko erhöhen

Dtsch Arztebl 2018; 115(11): A-491 / B-429 / C-429

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Der häufige Verzehr von industriell hergestellten Nahrungsmitteln war in einer prospektiven Beobachtungsstudie mit einem Anstieg von Krebserkrankungen verbunden. Bei Frauen traten insbesondere Brustkrebserkrankungen häufiger auf.

Hochverarbeitete Lebensmittel haben nicht nur einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren, raffinierten Zucker und Salz. Sie werden zur Verbesserung der Haltbarkeit auch mit zahlreichen Zusatzstoffen versetzt. Schließlich werden viele Nahrungsmittel bei der Herstellung hoch erhitzt, was zur Bildung von Acryl-amiden, heterozyklischen Aminen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen führt.

Ein Team der Pariser Sorbonne hat hierzu die Daten der NutriNet-Santé-Studie ausgewertet – eine prospektive Kohortenstudie, die seit 2009 über webbasierte Fragebögen eine Gruppe von 104 980 Franzosen (Durchschnitt: 43 Jahre) intensiv nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Der Anteil der hochverarbeiteten Lebensmittel an der Gesamternährung lag bei Männern und Frauen im Mittel bei fast 20 %. In den ersten 5 Jahren der Nachbeobachtung sind 2 228 Krebserkrankungen aufgetreten, darunter 739 Mammakarzinome (fast 80 % der Teilnehmer waren weiblich), 281 Prostatakarzinome und 153 kolorektale Karzinome. Insgesamt 108 Teilnehmer sind an der Folgen der Krebserkrankung gestorben.

Die Auswertung ergab, dass Teilnehmer, die mehr hochverarbeitete Lebensmittel verzehrten, häufiger an Krebs erkrankten. Für jeden Anstieg des Anteils der hochverarbeiteten Lebensmittel an der Ernährung um 10 Prozentpunkte ermittelte man eine um 12 % erhöhtes Krebsrisiko. Die Hazard Ratio von 1,12 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,06 bis 1,18 signifikant. Bei den Frauen betrug die Hazard Ratio auf ein Mammakarzinom 1,11 (1,02 bis 1,22) pro 10 % mehr hochverarbeitete Lebensmittel in der Kost. Bei den anderen Krebserkrankungen gab es eine Tendenz, die aufgrund der niedrigen Fallzahl jedoch das Signifikanzniveau nicht erreichte.

Fazit: Ob diesen Assoziationen eine Kausalität zugrunde liegt, kann eine prospektive Beobachtungsstudie nicht beweisen. Einige mögliche Verzerrungen können die Forscher jedoch ausschließen. Dazu gehört, dass Raucher und Menschen mit Bewegungsmangel häufiger als andere zu hochverarbeiteten Lebensmitteln greifen. Auch der Einfluss von Body-Mass-Index, Energiezufuhr, Alkoholkonsum und Ausbildungsniveau wurde berücksichtigt. Rüdiger Meyer

Fiolet T, Srour B, Sellem L, et al.: Consumption of ultra-processed foods and cancer risk: results from NutriNet-Santé prospective cohort. BMJ 2018; 360: k322.

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