ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Trumps Gesundheit: Nicht ungewöhnlich
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Nicht nur Politiker täuschen die Öffentlichkeit über ihren Gesundheitszustand, wie es Gerste in seinem Kommentar beschreibt, sie werden oft auch selbst getäuscht und missbraucht zum Erreichen politischer Ziele, wie im Fall Franklin D. Roosevelt.

Über Wilsons Gesundheitszustand war selbst sein Vizepräsident nicht informiert. Ein Kordon aus First Lady, Privatsekretär und Leibärzten konnte das verhindern. Dass Woodrow Wilson eigentlich schon bei Amtsantritt amtsunfähig war, teilt er mit dem französischen Präsidenten Mitterrand, der kurz nach seinem unerwarteten Wahlsieg 1981 von seinem Prostata-Ca in fortgeschrittenem Stadium mit Knochenmetastasen erfuhr. „Je suis foutu“ (Es ist aus) war seine erste Reaktion gegenüber seinem Berater Attali. Als Lebenserwartung stellte man ihm drei Jahre in Aussicht. Es wurden dann 15 Jahre. Die letzten zwei Jahre davon war er aber zur Amtsführung nicht mehr in der Lage. Die Öffentlichkeit erfuhr erst 1992 von der Krankheit. Sein Leibarzt beschreibt, wie die notwendigen Infusionen unter größter Geheimhaltung, auf seinen vielen Reisen oft unter provisorischen Bedingungen, verabreicht wurden.

Gerste erwähnt die schwere Herzkrankheit von R. D. Roosevelt. Woodrow Wilsons Witwe besuchte ihn 1945 im Oval Office. Sie zeigte sich schockiert über seinen Zustand und sagte hernach zu seiner Arbeitsministerin: „Er sieht genauso aus wie mein Mann, als es mit ihm zu Ende ging.“ Die Ministerin warnte sie darauf: „Sagen Sie das keiner Seele. Er hat eine große und schreckliche Aufgabe zu erfüllen. Er muss sie bewältigen, auch wenn es ihn umbringt.“ Kurz nach seiner Rückkehr von der Konferenz in Jalta geschah eben das. Die Umstände lassen vermuten, dass auch Roosevelt selbst nicht über die Schwere seiner Krankheit informiert war.

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Er selbst konnte während seiner gesamten zwölfjährigen Amtszeit verschleiern, dass er mit 39 Jahren an Poliomyelitis erkrankt war und seitdem im Rollstuhl saß. Journalisten und Fotografen waren seine Komplizen dabei – heute undenkbar. Unter 120 000 Aufnahmen von Roosevelt im Roosevelt Memorial existieren nur zwei, die ihn im Rollstuhl zeigen. Man hatte ihm stählerne Beinschienen angefertigt, mit denen er sich unter großer Anstrengung eine Weile aufrecht halten konnte. Alle veröffentlichten Aufnahmen zeigen ihn sitzend, hinter einem Tisch oder aufgerichtet zwischen kräftigen Begleitern. Nach heftigen Diskussionen wurde 2001 vor dem 1997 eröffneten Memorial eine Bronzestatue eingeweiht, die ihn im Rollstuhl zeigt. Der Rollstuhl war nach seinen eigenen Angaben aus einem Küchenstuhl und Fahrradrädern gefertigt.

Dr. med. Rolf Klimm, 83093 Bad Endorf

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