ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Leukämie im Kindesalter: Katarakt ist die häufigste Komplikation der Stammzelltransplantation am Auge

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Leukämie im Kindesalter: Katarakt ist die häufigste Komplikation der Stammzelltransplantation am Auge

Dtsch Arztebl 2018; 115(11): A-490 / B-428 / C-428

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Die allogene Knochenmarktransplantation ist ein wichtiger Therapieansatz bei Leukämie im Kindesalter und einer Reihe weiterer maligner Erkrankungen. Eine Autorengruppe in den USA hat die Rate okulärer Komplikationen bei Kindern untersucht.

Erfasst wurden 91 Kinder, die bei allogener Knochenmarktransplantation durchschnittlich 3,2 Jahre alt waren und im Mittel fast 6 Jahre beobachtet wurden. Die Eingriffe erfolgten zwischen 1995 und 2010. Die häufigsten Grundleiden waren akute lymphoblastische und myeloische Leukämien.

Die bei Weitem häufigste okuläre Folge der Knochenmarktransplantation war eine Kataraktentstehung: Sie trat bei 37 Kindern (41 %) auf und war bis auf 2 Ausnahmen bilateral. Bei 8 Kindern war die Linsentrübung so visusrelevant, dass eine Kataraktoperation erforderlich war. Von diesen 8 erreichten postoperativ 5 einen Visus von 0,66–1,0.

Der Anteil der Kinder, deren Katarakt eine Operation erforderte, entspricht mit 22 % den Größenordnungen früherer Veröffentlichungen. Die Visusergebnisse – die Kinder wurden primär mit einer Intraokularlinse versorgt – werden als gut beurteilt.

Kinder mit einem höheren Alter zum Transplantationszeitpunkt hatten ebenso wie jene mit einer höheren Strahlendosis eine größere Wahrscheinlichkeit eine Katarakt zu entwickeln. Unter den Chemotherapeutika war die Gabe von Cytarabin (Odds Ratio [OR]: 11,73; [95-%-Konfidenzintervall] [95-%- KI] [4,013; 34,30]) mit einer höheren Kataraktinzidenz assoziiert, während unter Busulfan (OR: 0,139; [0,038; 0,509]) und Thiotepa (OR: 0,314; [0,118; 0,841]) Linsentrübungen seltener auftraten.

Das Kataraktrisiko war für Kinder mit hämatologischen Malignitäten höher als für Kinder mit nichthämatologischen Grundleiden. Die Forscher errechneten eine Kataraktinzidenz von 54,2 % für 10 Jahre Überleben und von 58,4 % für 14 Jahre Überleben. Die zweithäufigste okuläre Komplikation war ein trockenes Auge (n = 14; 15 %).

Während der Nachbeobachtungsphase verstarben 14 der Kinder an Komplikationen der Grunderkrankung.

Fazit: „Diese Ergebnisse unterstreichen die hohe Kataraktogenität der komplexen Therapie im Rahmen einer Knochenmarkstransplantation“, erklärt Prof. Dr. med. Alireza Mir-shahi, Direktor der Augenklinik Dardenne in Bonn-Bad Godesberg. „Vor allem bei Kindern, die eine solche Transplantation im frühen, non-verbalen Lebensalter durchgemacht haben und eine Sehverschlechterung nicht artikulieren können, sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen sinnvoll, um einer möglichen Ambylopisierung rechtzeitig entgegenwirken zu können.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Hoehn ME, Calderwood J, et al.: Ocular complications in a young pediatric population following bone marrow transplantation. J AAPOS 2018; doi: 10.1016/j.jaapos.2017.10.010.

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