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Dtsch Arztebl 2018; 115(11): A-494

Meyer, Rüdiger; EB

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Enzephalitis: weltweite Rücknahme von MS-Medikament Zinbryta® Die Hersteller Biogen und AbbVie haben das Medikament Zinbryta, das im Jahr 2016 zur Behandlung der schubförmigen multiplen Sklerose (MS) zugelassen wurde, wegen Sicherheitsbedenken weltweit vom Markt genommen. Am gleichen Tag hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eine Überprüfung eingeleitet, nachdem in Deutschland bei 7 Patienten und in Spanien bei 1 Patient eine immunvermittelte Enzephalitis/Enzephalopathie aufgetreten war.

Zinbryta enthält den monoklonalen Antikörper Daclizumab, der am CD25-Rezeptor von T-Zellen bin-det und diese damit unempfindlich macht gegen die Signale von Interleukin 2. Das Ergebnis ist eine immunsuppressive Wirkung. Sie wurde zunächst zur Prävention von Abstoßungsreaktionen bei Patienten mit Nierentransplantationen genutzt. In dieser Indikation war Daclizumab zwischen 1999 und 2009 als Zenapax zugelassen, bis der Hersteller, wie es hieß, aus kommerziellen Gründen auf die Zulassung verzichtete.

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Im August 2016 wurde Daclizumab erneut zugelassen, allerdings nicht für Nierentransplantierte, sondern als Zinbryta zur Behandlung von erwachsenen MS-Patienten mit schubförmiger Verlaufsform. Daclizumab hatte aufgrund seiner immunsupprimierenden Wirkung in 2 randomisierten Phase-III-Studien (SELECT und DECIDE) die Schubfrequenz deutlich gesenkt. Im letzten Jahr wurde der Einsatz jedoch auf Patienten beschränkt, bei denen eine rasch fortschreitende MS nicht auf andere Behandlungsoptionen angesprochen hatte. Anlass war der Todesfall einer Patientin aus Deutschland, die trotz vorschriftsmäßiger Kontrollen der Leberenzyme und des Bilirubinwerts nach der 4. Injektion von Daclizumab an den Folgen eines akuten Leberversagens gestorben war.

Nun sind 7 Patienten aus Deutschland und 1 Patient aus Spanien, die wegen multipler Sklerose mit Zinbryta behandelt wurden, an einer immunvermittelten Enzephalitis/Enzephalopathie erkrankt.

Der Hersteller hat daraufhin alle laufenden klinischen Studien gestoppt und den Rückruf aller Chargen des Arzneimittels Zinbryta initiiert. Gleichzeitig wurde der Verzicht auf die Zulassung bekannt gegeben.

Das PEI forderte die Ärzte auf, mit Zinbryta behandelte Patienten so rasch wie möglich zu kontaktieren, das Mittel abzusetzen und alternative Therapieoptionen zu besprechen. Wegen der langen Halbwertszeit von Daclizumab müssen die Patienten weiterhin entsprechend der Zinbryta-Fachinformation nachbeobachtet werden, heißt es in einer Pressemitteilung des PEI. Einzelheiten zu den Erkrankungen wurden nicht mitgeteilt. Die Behandler sollen in Kürze ausführlichere Informationen vom Zulassungsinhaber erhalten. rme

Schwere Leberschäden und Todesfälle unter Ocaliva® – Intercept informiert über Berichte schwerer Leberschäden und von Todesfällen bei Patienten mit primär biliärer Cholangitis (PBC) mit mittelschwerer und schwerer Einschränkung der Leberfunktion, die Obeticholsäure (Ocaliva®) häufiger eingenommen haben als empfohlen.

Unerwünschte Reaktionen der Leber traten sowohl in der Anfangszeit als auch nach mehreren Monaten auf. Das höchste Risiko besteht bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, bei denen eine Zirrhose oder erhöhte Bilirubinwerte vorliegen. Es wird an die Dosierungsempfehlungen erinnert:

  • Vor Beginn der Behandlung muss der Leberstatus des Patienten bekannt sein.
  • Bei mittelschwerer bis schwerer Einschränkung der Leberfunktion Dosis anpassen.
  • Patienten müssen durch Labortests und klinische Bewertung hinsichtlich eines Fortschreitens der PBC überwacht werden. Gegebenenfalls ist eine Dosisanpassung erforderlich.
  • Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Dekompensation der Leber müssen engmaschiger überwacht werden. Dies gilt ebenfalls für diejenigen Patienten, bei denen Laborbefunde auf eine Verschlechterung der Leberfunktion oder eine Progression zur Zirrhose hinweisen.
  • Wenn Patienten in ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium eintreten (z. B. von Child-Pugh-Klassifikation A zu Child-Pugh B oder C), müssen die Intervalle zwischen den Einzeldosen verlängert werden.

Zu wenige Gentests bei Lungenkrebspatienten – Nur 75 % der Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) wurden im Jahr 2016 in Deutschland auf Mutationen des EGF-Rezeptors untersucht. Dies zeigt eine Befragung unter Onkologen, die in einer von AstraZeneca unterstützten Diskussionsrunde am Rande des Deutschen Krebskongresses in Berlin vorgestellt wurde. Die Testung auf EML4-ALK- oder ROS1-Rearrangements erfolgte nur bei 66 % bzw. 41 %, auf BRAF-Mutationen gar nur bei 14 % der infrage kommenden Patienten. „Erstaunlich ist dabei, dass gerade in Kliniken und Lungenzentren weniger Patienten auf Genmutationen getestet werden als im niedergelassenen Bereich“, bemerkte Prof. Dr. Helmut Ostermann, München.

Prof. Dr. Frank Griesinger, Oldenburg, präsentierte Real-World-Daten aus dem CRISP-Register und kam zu einem ähnlich bedenklichen Ergebnis: „Unsere Auswertung zeigt, dass etwa ein Drittel der NSCLC-Patienten nicht auf EGFR-Mutationen getestet werden, obwohl dies bereits 2010 in die Leitlinie aufgenommen wurde“, kritisierte er. Den Hauptgrund für die fehlende Molekulardiagnostik sahen die Experten in der mangelnden Vergütung der Tests im stationären Sektor. EB

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