ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Mammakarzinom: Komplette axilläre Lymphadenektomie ist meistens nicht notwendig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mammakarzinom: Komplette axilläre Lymphadenektomie ist meistens nicht notwendig

Dtsch Arztebl 2018; 115(11): A-489 / B-427 / C-427

Gerste, Ronald D.

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Als die American College of Surgeons Oncology Group-(ACOSOG-) Studie Z0011 in den späten 1990er- Jahren konzipiert wurde, galt sie als risikoreich, wenn nicht gar als ethisch fragwürdig. Sie sollte die Nichtunterlegenheit einer schonenderen operativen Alternative zur vollständigen Ausräumung der axillären Lymphknoten (axillary lymph node dissection; ALND) bei Frauen mit Mammakarzinom im Stadium T1 und T2 belegen.

Bei dieser Option (sentinel lymph node dissection; SLND) wurden im Rahmen brusterhaltender Therapien auch bei Nachweis von Tumor in den entfernten Wächterlymphknoten keine weiteren Lymphknoten entfernt. So sollen die nach vollständiger axillärer Lymphknotenentfernung häufigen Nebenwirkungen wie Lymphödem, Taubheitsgefühl und eingeschränkte Beweglichkeit der Arme vermieden werden. Durch Einführung des Stagings auf Basis von Biopsien der Wächterlymphknoten ging in den USA zwischen 1998 und 2004 der Anteil der ALND-Eingriffe bei Frauen ohne Lymphknotenmetastasen von 94 % auf 36 % zurück.

Nun liegen 10-Jahres-Ergebnisse vor. Sie sind relevant, weil bei Brustkrebs sowohl lokoregionäre, als auch systemische Rezidive auch nach > 5 Jahren auftreten können.

436 Frauen hatten lediglich die Sentinel-Dissektion, 420 eine vollständige Entfernung der axillären Lymphknoten. Die Patientinnen hatten bei Rekrutierung ein Durchschnittsalter von 54 bzw. 56 Jahren. Eine adjuvante systemische Therapie (Chemotherapie, endokrine Therapie) erfolgte in beiden Gruppen vergleichbar (SLNF 97 %, ALND 96 %). Die Zahl der bei ALND ausgeräumten Lymphknoten lag im Mittel bei 17. Der primäre Endpunkt der Studie, der Nachweis der Non-Inferiorität der D, wurde erreicht. Bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 9,3 Jahren wurde eine 10-Jahres-Überlebensrate von 86,3 % in der Gruppe der Sentinel-Dissektion und von 83,6 % in der ALND-Gruppe errechnet. Die Rate eines rezidivfreien 10-Jahres-Überlebens betrug 80,2 % nach SLND und 78,2 % nach ALND. Zwischen dem 5. und dem 10. Beobachtungsjahr kam es lediglich bei einer SLND-Patientin zu einem lokalen Rezidiv.

Fazit: „Diese Ergebnisse zeigen, dass bei Patientinnen mit klinisch unauffälliger Axilla und T1–2- Mammakarzinomen im Rahmen einer brusterhaltenden Therapie auch bei Nachweis von Lymphknotenmetastasen im Rahmen der SLND auf die Entfernung weiterer Lymphknoten in den allermeisten Fällen guten Gewissens verzichtet werden kann,“ so erklärt Prof. Dr. med. Wolfgang Janni, Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Ulm.

„Dieses Vorgehen wird auch von der AGO Kommission Mamma empfohlen und erspart inzwischen vielen Frauen die nicht selten lange anhaltenden Nebenwirkungen einer systematischen axillären Dissektion.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Giuliano AE, Ballman KV, McCall L, et al.: Effect of axillary dissection vs no axillary dissection on 10-year overall survival among women with invasive breast cancer and sentinel node metastasis. The ACOSOG Z0011 (Alliance) randomized clinical trial. JAMA 2017; 318: 918–26.

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