ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2018Kinase-Inhibitor Larotrectinib: Remissionen bei 17 verschiedenen Krebserkrankungen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kinase-Inhibitor Larotrectinib: Remissionen bei 17 verschiedenen Krebserkrankungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(11): A-491 / B-429 / C-429

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: _tilialucida/stock.adobe.com
Foto: _tilialucida/stock.adobe.com

Die zielgerichtete Krebsbehandlung überwindet zunehmend alte Indikationsgrenzen. Tumore werden vielleicht künftig nicht mehr nach ihrer Lokalisation und der Herkunft der Zellen eingeteilt, sondern nach den molekulargenetischen Veränderungen, die das Tumorwachstum vorantreiben. Der neue Kinase-Inhibitor Larotrectinib, der die Signalweiterleitung an Tropomyosin-Rezeptoren blockiert, hat in 3 Studien (Phase 1, NAVIGATE und SCOUT) bei 17 verschiedenen Krebserkrankungen langfristige Remissionen erzielt.

Bei allen 55 Patienten der Studie wurde ein NTRK-Fusionsgen nachgewiesen. Die Patienten waren zwischen 4 Monate und 76 Jahre alt und sie litten an Blinddarmkrebs, Brustkrebs, Gallengangskarzinom, Dickdarmkrebs, gastrointestinalen Stromatumoren (GIST), Fibrosarkomen bei Kindern, Lungenkrebs, MASC-Tumoren der Speicheldrüse, Melanomen, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Schilddrüsenkrebs oder verschiedenen Sarkomen.

Primärer Endpunkt war die Gesamtansprechrate. Sie betrug nach zentraler Auswertung 75 % (davon 13 % komplett, die übrigen 62 % partiell) und 80 % nach Beurteilung durch die Prüfärzte (davon 16 % komplett und 64 % partiell). Bis zum Ansprechen der Behandlung vergingen im Mittel 1,8 Monate (Bereich 0,9 bis 6,4). Die mediane Dauer des Ansprechens und das progressionsfreie Überleben waren zum Publikationszeitpunkt noch nicht erreicht, aber nach einem Jahr waren 71 % der Patienten weiter in Remission und 55 % aller Patienten blieben bisher progressionsfrei. Die Behandlung wurde gut vertragen. Klinisch relevante Nebenwirkungen waren selten. Am häufigsten war ein Anstieg der Leberenzyme, Müdigkeit, Erbrechen oder Schwindel.

Von den 6 Patienten, bei denen die Therapie nicht anschlug, war ein Patient mit einem NTRK-Inhibitor vorbehandelt worden. Bei 3 Patienten konnte keine vermehrte TRK-Expression nachgewiesen werden, weshalb man eine Fehldiagnose aufgrund eines falsch-positiven initialen Gentests vermutet.

Fazit: Die Studien zu Larotrectinib könnten der Beginn einer neuen Ära sein: Die Therapie könnte mit einer kompletten Genomanalyse des Tumors beginnen, um nach einem gezielten Angriffspunkt für Kinase-Inhibitoren oder Antikörpern zu suchen. NTRK-Fusionsgene wurden bisher bei mehr als 20 Krebserkrankungen gefunden, allerdings bei weniger als 1 % der Patienten. Rüdiger Meyer

Drilon A, Laetsch TW, Kummar S: Efficacy of Larotrectinib in TRK fusion-positive cancers in adults and children. New England Journal of Medicine 2018; 378: 731–9.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema