ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2018Verschluss von Bauchnabelhernien: Bei Nabelbrüchen größer als ein Zentimeter sollte mit einem Netz stabilisiert werden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Verschluss von Bauchnabelhernien: Bei Nabelbrüchen größer als ein Zentimeter sollte mit einem Netz stabilisiert werden

Dtsch Arztebl 2018; 115(12): A-533 / B-465 / C-465

Hillienhof, Arne

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Foto: Science Photo Library
Foto: Science Photo Library

International wird die Frage diskutiert, ob es bei kleineren Nabelbrüchen (Durchmesser < 2 cm) ausreicht, die Bruchpforte mit einer Naht zu verschließen oder ob es sinnvoll ist, ein Kunststoffnetz in die Bauchwand einzubringen und sie damit zu stabilisieren.

Chirurgen des Erasmus University Medical Center in Rotterdam haben jetzt untersucht, ob bei kleineren Nabelbrüchen mit 1–4 cm Durchmesser der Einsatz eines Netzes die Rezidivrate gegenüber einer Nahtreparatur verringert. Es ist eine kontrollierte Multicenterstudie, an der sich 12 Krankenhäuser beteiligt haben: 9 in den Niederlanden, 2 in Deutschland und eine Klinik in Italien. Eingeschlossen wurden Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren mit einem primären Nabelbruch von 1–4 cm Durchmesser. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip intraoperativ entweder der Naht- oder der Netzreparatur zugeordnet. Eine Stratifizierung der Patienten erfolgte in Abhängigkeit von der Größe des Bruchs: 1–2 cm und > 2–4 cm.

Zu Beginn der Studie wurden alle Chirurgen zu Schulungen eingeladen, um sicherzustellen, dass sie dieselben standardisierten Techniken für die jeweilige Behandlungsmethode verwendeten. Die Patienten wurden 2 Wochen nach Operation und nach 3, 12 und 24–30 Monaten postoperativ untersucht. Primärer Endpunkt war die Rezidivrate der Nabelhernien nach 24 Monaten. Rezidive wurden durch körperliche Untersuchung und im Zweifelsfall mit Bauch-Ultraschall ermittelt.

Zwischen Juni 2006 und April 2014 wurden 150 Patienten randomisiert in eine Gruppe mit Netzreparatur und die zweiten 150 Patienten in die Gruppe mit Nahtreparatur. Das mediane Follow-up betrug 25,1 Monate. Nach einer maximalen Beobachtung von 30 Monaten gab es in der Netzgruppe weniger Rezidive als in der Nahtgruppe (4 % versus 17 %).

Die 2-Jahres-Rezidivraten wurden auf 3,6 % (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,4; 9,4]) in der Meshgruppe und auf 11,4 % ([6,8; 18,9]; p = 0,014) in der Nahtgruppe geschätzt, eine Verminderung des Risikos um 69 % (Hazard Ratio für ein Wiederauftreten der Hernie: 0,31; [0,12; 0,80]). Die number-needed-to-treat betrug 12,8.

Die häufigsten postoperativen Komplikationen waren Serome (eines in der Nahtgruppe versus 5 in der Meshgruppe), Hämatome (2 versus 3) und Wundinfektionen (1 in Nahtgruppe und 3 in der Netzgruppe). Es gab keine Anästhesiekomplikationen oder postoperativen Todesfälle.

Fazit: Bei einem Nabelbruch mit einem Durchmesser von 1–4 cm verringert eine Stabilisierung der Bauchwand mit einem Netz das Rückfallrisiko im Vergleich zur Nahreparatur deutlich und hoch signifikant. Die Autoren der prospektiv randomisierten Studie empfehlen die Netzreparatur für diese Patientengruppe. Im begleitenden Kommentar wird die Empfehlung im Wesentlichen geteilt (2). Es sei aber notwendig, individuell erhöhte Risiken für ein Fremdkörpergefühl durch ein Netz bei sehr schlanken Patienten zum Beispiel oder für ein Rezidiv bei einer späteren Schwangerschaft zu berücksichtigen und Daten zur Langzeitsicherheit zu erheben. Arne Hillienhof

  1. Kaufmann, R Halm JA, Eker HH, et al.: Mesh versus suture repair of umbilical hernia in adults: a randomised, double-blind, controlled, multicentre trial. Lancet 2018; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)30298-8.
  2. Helgstrand F, Bisgaard T: Time for use of mesh repair for all umbilical hernias? Lancet 2018; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)30299-X.

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