ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2018Pflegemangel: 17 000 offene Stellen in Pflegeheimen

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Pflegemangel: 17 000 offene Stellen in Pflegeheimen

Dtsch Arztebl 2018; 115(12): A-513 / B-445 / C-445

Osterloh, Falk

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Schon heute ist der Mangel an Pflegekräften in stationären Einrichtungen enorm, wie eine aktuelle Umfrage unter den Betreibern der Heime zeigt. Die Folge sind Überlastungen der Mitarbeiter und Aufnahmestopps. Auch die Qualifikation der Bewerber auf die offenen Stellen sinkt. Eine Lösung wären mehr Ausbildungsplätze.

Knapp 17 000 offene Pflegestellen können derzeit in stationären Pflegeeinrichtungen nicht besetzt werden. Das geht aus dem aktuellen Pflege-Thermometer hervor, aus dem einzelne Ergebnisse Mitte März anlässlich des 5. Deutschen Pflegetags in Berlin vorgestellt wurden. Unbesetzt sind demzufolge 11 400 Stellen für Altenpflegekräfte, 2 500 Stellen für Krankenpflegekräfte sowie 2 300 Stellen für Altenpflegehelfer und 750 Stellen für Krankenpflegehelfer. „Für diese Pflegekräfte und -helfer wäre Geld da, doch es gibt auf dem Arbeitsmarkt niemanden, um sie zu besetzen“, sagte der Autor des Pflege-Thermometers, Prof. Dr. rer. medic. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung.

Das zeige auch die Bedeutsamkeit eines Programms, das 8 000 neue Pflegestellen in Aussicht stelle. So viele Stellen wollen Union und SPD in den stationären Einrichtungen in dieser Legislaturperiode schaffen, wie sie in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart haben. Isfort nannte dieses Vorhaben ein „Rechenbeispiel“, da diese Stellen ebenfalls nicht besetzt werden könnten, auch wenn nun Geld von der Regierung dafür zur Verfügung gestellt werde.

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Viele Heime mit Wartelisten

Viele Pflegeheime können schon heute keine Patienten mehr aufnehmen. 84 Prozent der Leitungskräfte aus 1 067 Pflegeheimen, die sich an der Umfrage beteiligten, erklärten, dass sie Anfragen zur Kurzzeitpflege ablehnen müssten (siehe Grafik). 83 Prozent mussten Anfragen zur Langzeitpflege ablehnen. Und bei 71 Prozent gibt es Wartelisten bei der vollstationären Langzeitpflege. Nur 38 Prozent beurteilen das Angebot der vollstationären Pflege in ihrer Region als gesichert. Im Bereich der Kurzzeitpflege schätzen nur 15 Prozent die Kapazitäten als umfänglich gesichert an.

Strukturbegrenzungen
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Im Pflege-Thermometer zeigt sich auch, dass die Arbeit der Pflegekräfte in den stationären Pflegeeinrichtungen immer schwieriger wird. 81 Prozent der befragten Leitungskräfte gaben an, dass die Anzahl der Bewohner mit komplexen medizinischen Problemlagen zunehme. Nur fünf Prozent erklärten, dies sei in ihrer Einrichtung nicht der Fall. 62 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass das durchschnittliche Einzugsalter der Bewohner immer höher werde. „Bei der Arbeit in stationären Pflegeeinrichtungen geht es also nicht um einfache Tätigkeiten, sondern um komplexe Leistungen, die die Pflegekräfte erbringen müssen“, betonte Isfort.

Die Krankheitsdauer der Beschäftigten ist vom Jahr 2016 auf das Jahr 2017 gestiegen (43 Prozent machten diese Angabe). Gestiegen sind auch die Krankheitstage (41 Prozent), die Erkrankungsschwere (31 Prozent) und die Zahl der Überstunden (24 Prozent).

„Das Nadelöhr ist die Personalfrage“, betonte Isfort. Dabei sei die Akquirierung von Fachkräften ein sehr regionales Geschäft. So liege der Rekrutierungsraum bei 20 Kilometern. Mehr als 90 Prozent der Befragten akquirierten dort. Und „es gibt eine klare Mobilisierungsgrenze“, sagte er. „Sie werden keine Pflegekräfte aus Niedersachsen dazu bewegen, eine Teilzeitstelle in Bayern anzunehmen.“

Der Personalmangel hat auch Auswirkungen auf die Auswahl der Bewerber. 62 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Jahr 2017 Bewerber eingestellt hätten, die sie vor fünf Jahren noch abgelehnt hätten. „Die Qualität der Bewerbungen und deren Anzahl sind nicht auf dem Niveau, das wir bräuchten“, erklärte Isfort. „Wir bräuchten eine massive Aufwertung der pflegerischen Ausbildung.“ Sonst würden viele Einrichtungen durch den Pflegemangel an die Grenzen ihrer Existenz stoßen. Falk Osterloh

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