ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2018Notfallversorgung: Notfallfähige Weiterbildung
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Gesundheitsexperten fordern zentrale Anlaufstellen für Notaufnahmen über zentrale Leitstellen. Bewirkt das weniger Stau und gibt es geeignete Ärzte dafür? Warum kommen zu viele Bagatellfälle in Notaufnahmen? Dazu erstellt ein Gesundheitsökonom, der wahrscheinlich in keiner Notaufnahme gearbeitet hat ein Konzept.

Aus gynäkologisch-geburtsmedizinischer Sicht wird obiger Versuch scheitern. Die Frau im fertilen Alter mit massiven Unterbauchschmerzen wird weiter sofort eine Frauenklinik aufsuchen. Dort klinisch Erfahrene werden innerhalb weniger Minuten via Anamnese und klinischer Untersuchung zur Diagnose kommen, zum Beispiel Eileiterschwangerschaft oder rupturierte bzw. stielgedrehte Zyste. Weder Medizintechnik noch Labor ist primär notwendig.

Letzteres Handeln ist erfahrenen Gynäkologen vertraut durch die Geburtsmedizin. Dortige Notfälle brauchen Entscheidungen in wenigen Minuten. Zum Beispiel Plazentalösung oder Uterusruptur. Medizintechnik und Labor würden Handeln innerhalb weniger Minuten behindern. Käme es durch Zeitverlust zum Schadensfall bei Mutter und/oder Kind, dann entsteht vor Gericht ein Millionen-Euro- Problem.

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Das hört sich „dramatisch“ an, ist aber Routine für erfahrene Ärzte. Diese entscheiden unter großem Zeitdruck mit „Bauchgefühl“ und „Intuition“. Dies basiert auf profundem Wissen und langer klinischer Erfahrung.

Doch wie viele Kollegen haben diese Chancen für solch eine berufliche Entwicklung in der Klinik? Die große Mehrheit geht in die Praxis und kommt nicht in obigen „Genuss“. Gerade das macht berufliche Zufriedenheit aus, also mit einem Minimum an diagnostischem Aufwand ein Maximum an richtigen Entscheidungen zu treffen in echten Notsituationen.

Da die meisten Kollegen nicht dieses Stadium erreichen, ist deren Verhalten plausibel: vorsichtshalber vieles zum Notfall deklarieren und in die Klinik schicken.

Fazit: Wir brauchen ärztliche Weiterbildung, die sicherer „notfallfähig“ macht.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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klausenwächter
am Sonntag, 25. März 2018, 14:10

Chapeu!

Die Frauen wissen natürlich, daß sie schwanger sind. Unterbauchschmerz und Schwangerschaft führen zum Frauenarzt in einer Klinik. Was sagen Studien über die Entdeckung von Schwangerschaftskomplikationen bei unbekannter Schwangerschaft? Wo laufen diese Patientinnen auf?
Wenn Patienten zielsicher den Grund ihrer Symptome erkennen können, findet man sie in spezialisierten Sprechstunden. In den reformierten Notfallambulanzen finden sich andere Patienten als vor der Reform 2011: Damals versorgt der Kassenarzt lebensbedrohliche Notfallle. Nach 8 Jahren hat der zentralisierte Notfalldienst eine andere Fallmischung hinterlassen.
In Portalpraxen wird also eine andere Expertise benötigt werden, als sie durch reformierte Notfalldienste in der Praxis geprägt worden ist.

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