ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2018121. Deutscher Ärztetag vom 8. bis 11. Mai 2018 in Erfurt: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

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121. Deutscher Ärztetag vom 8. bis 11. Mai 2018 in Erfurt: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Dtsch Arztebl 2018; 115(12): A-516 / B-448 / C-448

Montgomery, Frank Ulrich

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Der Dom St. Marien mit hochgotischem Chor, romanischem Turmbereich und spätgotischer Westhalle (links), neben der St. Severikirche, eine fünfschiffige gotische Hallenkirche. Foto: borisb17/stock.adobe.com
Der Dom St. Marien mit hochgotischem Chor, romanischem Turmbereich und spätgotischer Westhalle (links), neben der St. Severikirche, eine fünfschiffige gotische Hallenkirche. Foto: borisb17/stock.adobe.com

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

fast ein halbes Jahr hat es gedauert, bis nach der Bundestagswahl im September 2017 eine neue Bundesregierung vereidigt werden konnte. Wertvolle Zeit für wichtige Reformen in unserem Gesundheitswesen ging durch die schwierige Regierungsbildung verloren. Umso wichtiger ist es, dass Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag letztlich viele Forderungen und Vorschläge der Ärzteschaft aufgegriffen haben. Dies lässt hoffen, dass Regierung und Parlament bei der konkreten Umsetzung der einzelnen Reformvorhaben ärztlichen Sachverstand mit einbeziehen werden. Gelegenheit dafür gibt es bereits Anfang Mai dieses Jahres, wenn der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt zusammenkommt.

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Mit dem Ausbau der sektorenübergreifenden Versorgung, den Neuregelungen bei der Notfallversorgung und der Bereitstellung von Investitionsmitteln für neue Technologien und Digitalisierung werden im Koalitionsvertrag einige der wichtigsten Reformbaustellen als Handlungsfelder benannt. Dazu zählen auch die vorgesehenen Förderungen von Landärzten. Die im Krankenhaussektor geplante verbesserte Berücksichtigung von Personalkosten im Sinne einer vollständigen Refinanzierung der Tarifsteigerungen ist grundsätzlich zu begrüßen. Auch die damit verbundene Einleitung einer Reform der Fallpauschalenvergütung greift eine langjährige Forderung der Ärzteschaft auf. Gleiches gilt für das Bekenntnis von Union und SPD, dass eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze in der Humanmedizin notwendig ist.

Ebenso von Bedeutung ist, was alles nicht in dem Koalitionsvertrag steht. Bis kurz vor Abschluss der Verhandlungen war es alles andere als klar, ob nicht zumindest das Vorhaben einer einheitlichen Gebührenordnung Eingang in das Papier findet. Die Konvergenz von Gebührenordnung für Ärzte und dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab wurde immer wieder als Kompromisslösung zu einer Bürgerversicherung ins Spiel gebracht, wäre letztlich aber nichts anderes als die Einführung der Bürgerversicherung durch die Hintertür gewesen.

Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD bei diesem Streitthema auf die Gründung einer wissenschaftlichen Kommission verständigt. Damit haben alle Beteiligten die Möglichkeit, sich noch einmal eingehend mit den verfassungsrechtlichen Voraussetzungen für ein modernes Vergütungssystem wie auch den möglichen strukturellen und finanziellen Verwerfungen auseinanderzusetzen. Dabei muss natürlich auch die Ärzteschaft einbezogen werden.

Unter dem Strich setzt der Koalitionsvertrag einige positive Akzente. Aber kein Licht ohne Schatten: Es finden sich auch eine Reihe von Vorhaben, die direkt in die bewährten Strukturen der Selbstverwaltung eingreifen. Zwar loben die Koalitionäre die „Freiberuflichkeit der Heilberufe“ als Stärke des Gesundheitssystems. Das hält sie aber nicht davon ab, bei der Terminvergabe und bei den Sprechstundenzeiten von Arztpraxen Regulierungen anzukündigen. Ich bin mir sicher, dass hierzu auch der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt Stellung beziehen wird. Eingriffe in die Praxisführung von Freiberuflern sind nach meiner Überzeugung ebenso abzulehnen wie die weitere Beschneidung der Zuständigkeiten der ärztlichen Selbstverwaltung durch immer neue Antrags- und Beratungsrechte für die Länder bei der Bedarfsplanung und in den Zulassungsausschüssen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Aber es gilt: Ein Koalitionsvertrag ist kein Gesetzentwurf. Änderungen im Sinne der Ärzteschaft sind möglich – wenn wir sie nur klar und deutlich artikulieren.

Ärztetag berät (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

Wir richten in Erfurt auch in anderen Bereichen den Blick nach vorn. Intensiv wird sich der Ärztetag mit der Novelle der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO) beschäftigen. Bereits im letzten Jahr konnte in Freiburg ein Meilenstein auf der Zielgeraden zur Verabschiedung der Novelle erreicht werden, indem der Ärztetag für den Kernbereich der neuen MWBO – Abschnitt B – die Titel, die Gebietsdefinitionen und die Weiterbildungszeiten der Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen beschlossen hat. Seither konnten die Arbeiten in einem wahren Sitzungsmarathon weiter vorangetrieben werden, sodass in Erfurt die neue (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung unter der Devise „kompetenzbasiert, flexibel und mit didaktischer Ausrichtung“ verabschiedet werden könnte.

Die Krämerbrücke, die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas, ist ein Wahrzeichens Erfurts. Fotos: Marina Ignatova/stock.adobe.com
Die Krämerbrücke, die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas, ist ein Wahrzeichens Erfurts. Fotos: Marina Ignatova/stock.adobe.com

Weiter voranbringen wollen wir nach den wegweisenden Beschlüssen der vorangegangenen Ärztetage auch die Novelle der Gebührenordnung für Ärzte. Das Thema ist komplex. Wir werden uns deshalb ausreichend Zeit nehmen, um den gegenwärtigen Stand und die nächsten Schritte ausführlich zu beraten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, neben aktuellen gesundheits- und berufspolitischen Themen werden wir in Erfurt auch wichtige Fragen der gesundheitlichen Versorgung in den Blick nehmen. Dazu zählt die auf dem letzten Deutschen Ärztetag in Freiburg angestoßene Debatte über Möglichkeiten und Grenzen ausschließlicher Fernbehandlung in Deutschland. Der 120. Deutsche Ärztetag hatte der Bundes­ärzte­kammer einen Prüfauftrag für eine mögliche Änderung der (Muster-)Berufsordnung erteilt. Über die Ergebnisse wollen wir in Erfurt beraten.

Zudem bildet die Versorgung psychischer Erkrankungen einen Beratungsschwerpunkt. Mittlerweile ist in Deutschland jeder dritte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen.

Die Möglichkeiten der ärztlichen Psychotherapie diskutieren

Psychische Erkrankungen werden mithin zu einer immer größeren Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in unserem Land. Sie verursachen nicht nur menschliches Leid, sondern auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten. Wir werden uns gemeinsam mit namhaften Referenten intensiv mit den Möglichkeiten ärztlicher Psychotherapie im Hinblick auf Diagnostik, Therapie und Prävention in diesem Bereich beschäftigen und Versorgungskonzepte beraten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie sehen, die Tagesordnung des 121. Deutschen Ärztetages ist prall gefüllt und verspricht spannende Beratungen. Dennoch hoffe ich, dass Sie neben den Plenarsitzungen etwas Zeit finden, die Landeshauptstadt Thüringens zu entdecken. Erfurt „liegt am besten Ort. Da muss eine Stadt stehen“, urteilte einst Martin Luther. Aber machen Sie sich am besten selbst ein Bild, zum Beispiel bei einer Führung durch die historische Altstadt. Entdecken Sie die Zitadelle Petersberg, die einzige weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Mitteleuropas, oder bummeln Sie über die Krämerbrücke, dem heimlichen Wahrzeichen von Erfurt und Heimat ortsansässiger Kunsthandwerker.

Wenn neben den Delegierten und den Vertreterinnen und Vertretern ärztlicher Organisationen und Verbände möglichst viele Ärztinnen und Ärzte aus allen Regionen Deutschlands am 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt teilnehmen können, würde mich das sehr freuen.

In diesem Sinne
die besten Wünsche
und einen herzlichen Gruß Ihr






Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery
Präsident der Bundes­ärzte­kammer und
des Deutschen Ärztetages

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