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Wir stimmen Herrn Schachtner und Herrn Spannagl zu, dass die Datenlage für die prophylaktische Gabe von Tranexamsäure (TXA) bei Patienten mit thrombembolischen Risiken schlecht ist und daher – aus unserer Sicht – die Verabreichung von TXA nur im Rahmen einer individualisierten, gemeinsamen Entscheidung erfolgen darf. Darauf haben wir in unserem Artikel (1) mehrfach hingewiesen.

Die topische TXA-Gabe scheint eine mögliche Applikationsform zu sein, die eine – zumindest mechanistisch gedacht – geringe systemische prokoagulative Veränderung bewirken dürfte. Aus Platzgründen wurde auf diese spezielle Applikationsform in unserer Arbeit jedoch nicht detaillierter eingegangen, auch wenn hierzu ebenfalls gute Wirkbelege (aber kaum adäquate Risikoanalysen) vorliegen (2, 3).

Eine absolute Kontraindikation einer (topischen) TXA-Gabe bei thrombembolischer Anamnese – wie von Herrn Schachtner und Herrn Spannagl gefordert – sehen wir aber nicht. „Zuerst einmal nicht schaden“, wie ebenfalls gefordert, würde also bedeuten, dass man als klinisch tätiger Arzt bei Patienten mit thrombembolischen Risiken und hohem perioperativem Transfusionsrisiko immer auf die (topische) Gabe von TXA verzichtet. Fehlende Daten zur Sicherheit einer Substanz sollen also die durch Daten gesicherte erhöhte Transfusionsrate und mögliche Nebenwirkungen rechtfertigen.

Wir befürworten die vollständige Umsetzung des Zitats „erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen”. Es fehlen also die Aspekte: „zweitens vorsichtig sein, drittens heilen“.

Bei uns stimmen sich die perioperativen Behandler aus den Bereichen Anästhesiologie, Orthopädie und Hämostaseologie eng ab, und die Patienten mit hohem Blutungsrisiko werden über die individuelle Prophylaxe mittels (topischer) Tranexamsäure als Einmalgabe im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts aufgeklärt.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0220b

Für die Autoren

Matthias Goldstein
Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM)
Campus Marburg
matthias.goldstein@staff.uni-marburg.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Goldstein M, Feldmann C, Wulf H, Wiesmann T: Tranexamic acid prophylaxis in hip and knee joint replacement. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 824–30 VOLLTEXT
2.
Alshryda S, Sukeik M, Sarda P, Blenkinsopp J, Haddad FS, Mason JM: A systematic review and meta-analysis of the topical administration of tranexamic acid in total hip and knee replacement. Bone Joint J 2014; 96: 1005–15 CrossRef MEDLINE
3.
Tao-ping C, Yu-min C, Jian-bao J, et al.: Comparison of the effectiveness and safety of topical versus intravenous tranexamic acid in primary total knee arthroplasty: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Orthop Surg Res 2017; 12: 1–11 CrossRef PubMed Central
1.Goldstein M, Feldmann C, Wulf H, Wiesmann T: Tranexamic acid prophylaxis in hip and knee joint replacement. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 824–30 VOLLTEXT
2. Alshryda S, Sukeik M, Sarda P, Blenkinsopp J, Haddad FS, Mason JM: A systematic review and meta-analysis of the topical administration of tranexamic acid in total hip and knee replacement. Bone Joint J 2014; 96: 1005–15 CrossRef MEDLINE
3. Tao-ping C, Yu-min C, Jian-bao J, et al.: Comparison of the effectiveness and safety of topical versus intravenous tranexamic acid in primary total knee arthroplasty: a meta-analysis of randomized controlled trials. J Orthop Surg Res 2017; 12: 1–11 CrossRef PubMed Central

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