ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenKardiologie 1/2018Akuter Myokardinfarkt: Standardtests verpassen zwei Drittel der Diagnosen

Supplement: Perspektiven der Kardiologie

Akuter Myokardinfarkt: Standardtests verpassen zwei Drittel der Diagnosen

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): [24]

Zylka-Menhorn, Vera

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Ein unerkannter Myokardinfarkt hat eine schlechte kurzfristige Prognose, aber bis jetzt war die langfristige Perspektive unbekannt. Eben diese Frage beleuchtete eine Studie, deren Ergebnisse im Februar auf dem von der Europäischen Kardiologengesellschaft ESC veranstalteten CMR/SCMR Meeting in Barcelona vorgestellt wurden. Und die sind eine Überraschung

Die ersten Ergebnisse der ICELAND-MI-Kohorten-Substudie der „Age, Gene/Environment Susceptibility-Reykjavik Study“, die ihre Probanden in den Jahren 2004–2007 rekrutierte, wurden bereits 2012 publiziert. Von den 936 Teilnehmern hatten 91 einen bekannten Myokardinfarkt in der Anamnese. Mittels kardiovaskulärer Magnetresonanztomographie (CMR) wurden jedoch 157 zuvor unentdeckte Infarkte (UMI) gefunden. Damit erwies sich die Bildgebung im Vergleich zum EKG als überlegen, das lediglich 46 UMI entdeckte. Die Studie zeigte zudem, dass die Prognose eines unentdeckten Infarktes schlechter war als die eines entdeckten und dass Patienten mit nicht entdeckten Infarkten seltener kardiologische Medikamente einnahmen.

In Barcelona wurden nun die 10-Jahres-Ergebnisse aus ICELAND MI präsentiert (2). Sie bestätigen das Bild der ersten Publikation: Entdeckte und nicht entdeckte Myokardinfarkte sind auch langfristig mit einer vergleichbar hohen Mortalität assoziiert. Nach 10 Jahren lagen die Mortalitätsraten bei Patienten mit erkanntem beziehungsweise mit nicht erkanntem Myokardinfarkt bei 49 % beziehungsweise 51 % und damit deutlich höher als bei den Studienteilnehmern ohne Myokardinfarkt, von denen (aufgrund des hohen Alters der Kohorte) 30 % verstorben waren.

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Nach Ansicht von Erstautor Prof. Dr. med. Tushar Acharya, Kardiologe am National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda, ist ein Screening zur Identifizierung von MI mitttels CMR weder praktikabel noch kosteneffektiv. „Aber die Verwendung von CMR bei Patienten mit kardialen Symptomen würde wahrscheinlich viel mehr Herzinfarkte erkennen als herkömmliche diagnostische Tests.“ Zudem gebe es gute Therapiemöglichkeiten, um die Überlebenden eines Infarktes zu behandeln, daher sollte eine frühzeitige Diagnose die Prognose verbessern. zyl

1.
Schelbert EB, et al.: Prevalence and Prognosis of Unrecognized Myocardial Infarction Determined by Cardiac Magnetic Resonance in Older Adults. JAMA 2012; 308 (9): 890–6 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Acharya T, et al.: Long-term outcomes of unrecognized myocardial infarction in the elderly – Findings from the ICELAND MI study. CMR/SCMR 2018 in in Barcelona; ID: 371604
1.Schelbert EB, et al.: Prevalence and Prognosis of Unrecognized Myocardial Infarction Determined by Cardiac Magnetic Resonance in Older Adults. JAMA 2012; 308 (9): 890–6 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Acharya T, et al.: Long-term outcomes of unrecognized myocardial infarction in the elderly – Findings from the ICELAND MI study. CMR/SCMR 2018 in in Barcelona; ID: 371604

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