POLITIK

Digitalisierung im Krankenhaus: Es geht um die Prozesse

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): A-565 / B-493 / C-493

Krüger-Brand, Heike E.

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Damit Digitalisierungsprojekte gelingen, sind einige zentrale Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Foto: Flo/stock.adobe.com [m]
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Digitalisierung im Gesundheitswesen ist im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ein zentrales Thema, etwa mit der Ankündigung, dass bis zum Jahr 2021 allen Bürgern eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung gestellt werden soll. Darauf müssen sich auch die Krankenhäuser vorbereiten, indem sie sich zum Beispiel mit Fragen der Datenportabilität und der Interoperabilität befassen.

Zusätzlich entsteht Druck durch neue gesetzliche Regelungen wie die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die dem Schutz personenbezogener Daten dient und die ab dem 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Sie sieht unter anderem Veränderungen bei Einwilligungen, Informationspflichten und Betroffenenrechten, aber auch bei der Auftragsverarbeitung, bei Compliance- und Rechenschafts- sowie bei Meldepflichten vor. Neue Anforderungen kommen auf die Krankenhäuser auch durch die seit dem 30. Juni 2017 geltende KRITIS-Verordnung zu. Zwar zielt die Verordnung zunächst darauf ab, dass Krankenhäuser, die mit mehr als 30 000 Fällen pro Jahr zur kritischen Infrastruktur zählen, Maßnahmen zur IT-Sicherheit nach dem Stand der Technik umsetzen und dies bis Ende Juni 2019 nachweisen. Mittelfristig soll jedoch die Cyber-security in allen Krankenhäusern durch branchenspezifische Sicherheitsstandards verbessert werden.

Digitalisierung geht somit über isolierte IT-Lösungen weit hinaus – vielmehr steht die elektronische Unterstützung von Prozessen im Mittelpunkt, so der Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter (KH-IT e.V.) in seinem 2017 veröffentlichten Steckbrief (http://bit.ly/2mi6Ult). Drei wesentliche Punkte, in denen sich Digitalisierung im Krankenhaus manifestiert, formuliert der Verband: Die Falldaten der Patienten liegen digital vor. Alle benötigten Daten sind jeweils aktuell sowie zeit- und ortsunabhängig (mobil) für alle am Behandlungszusammenhang Berechtigten über eine „aufgabenangemessene“ Benutzerschnittstelle (möglichst einheitlich für unterschiedliche Endgeräte) verfügbar. Zudem werden die Leistungsprozesse durch flexible elektronische Workflows über alle Bearbeitungsebenen hinweg unterstützt.

Um diese Ziele zu erreichen, kommen die Krankenhäuser um die Überarbeitung ihrer bestehenden Prozesse nicht herum (siehe 3 Fragen an . . .). Dabei können Ansätze, Ziele und Umsetzungsstrategien der Häuser, je nach individueller Situation, durchaus unterschiedlich ausfallen, wie die Beispiele aus Erfurt und Essen auf den folgenden Seiten zeigen. Die Herausforderungen sind groß: Die Prozesse werden durch Digitalisierung immer stärker standardisiert und automatisiert. Gleichzeitig verstärkt sich jedoch auch die Abhängigkeit der Häuser von der IT, etwa bei der Verfügbarkeit. Durch die Integration mobiler Lösungen, die Nutzung medizinischer Netzwerke sowie die zunehmende externe Vernetzung und die damit verbundene Öffnung der Krankenhäuser erhöhen sich die Sicherheitsrisiken.

Wer diese Risiken nicht frühzeitig einbezieht, läuft Gefahr, die Chancen der Digitalisierung zu verpassen. Heike E. Krüger-Brand

3 Fragen an . . .

Prof. Dr. rer. pol. Anke Simon, Studiendekanin, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Vorstandsmitglied des KH-IT e.V.

Digitalisierung im Krankenhaus erfordert laut Experten ein Prozess-Re-Design. Was heißt das konkret?

Als wesentliche Ursache für gescheiterte Digitalisierungsprojekte gilt die unreflektierte Abbildung bestehender, gewachsener (suboptimaler) Prozesse. Das Re-Design, die Prozessoptimierung von Abläufen und Vorgehensweisen, ist sehr aufwendig – Ist-Prozessdarstellung, Identifikation von Schwachstellen und Optimierungspotenzialen, Soll-Prozessdesign und Implementierung. So dürfte die Pflegedokumentation, die derzeit noch häufig aus papierbasierter und digitaler Erfassung der Patientenakte besteht, einem anderen Prozessablauf folgen, sobald mobile Systeme eingeführt werden, mit denen die Informationen, etwa Vitaldaten und Pflegemaßnahmen, direkt erfasst werden.

Wie können Krankenhäuser dabei Fehler vermeiden?

Digitalisierungsprojekte sind komplex und daher oft mit Risiken und Fehlerpotenzialen verbunden. Um diese zu vermeiden, sind insbesondere wichtig: ein professionelles Projektmanagement, eine realistische Kostenkalkulation/Budgetplanung, der Einsatz von hochqualifiziertem, erfahrenem IT-Personal und die frühzeitige Einbeziehung der Endanwender.

Welche Bereiche haben bei der Digitalisierung Priorität?

Die IT-Sicherheit gilt als grundlegende Voraussetzung für jegliche Lösung. Priorität sollten zudem Projekte mit hohen Nutzenpotenzialen im klinischen Bereich beziehungsweise bei der unmittelbaren Patientenversorgung haben. Mobile Lösungen und die ePA gehören auf jeden Fall dazu. Auch die digitale Pflegedokumentation und entscheidungsunterstützende KI-Systeme bergen viel Potenzial, ebenso wie IT-Systeme zur direkten Einbeziehung der Patienten in den Behandlungsprozess. Wichtig ist auch die Förderung der Gesundheitskompetenz.

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