ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Omega-3-Fettsäuren: Vergesst die Kinder nicht
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In den 70er-Jahren formulierten zwei dänische Wissenschaftler die Hypothese, dass die niedrige kardiovaskuläre Mortalität von Grönland-Eskimos durch eine Diät mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren (n-PUFAs) erklärbar sei. Ohne eine plausible pathophysiologische Erklärung wurden in den folgenden 40 Jahren unzählige prospektiv randomisierte Studien aufgesetzt, die widersprüchliche Ergebnisse erbrachten. Fügt man die zehn besten Studien zu einer Metaanalyse zusammen, so spricht die aktuelle Evidenz gegen eine Nahrungsmittelergänzung mit n-PUFAs zur Sekundärprophylaxe kardiovaskulärer Ereignisse.

Völlig außer Acht gelassen wurde, dass die Inuit sich nicht erst – wie unter anderem 66,4 Prozent der Studienteilnehmer nach einem Herzinfarkt – mit Fisch ernährten, sondern bereits im Mutterleib und in der Kindheit mit hohen Mengen an n-PUFAs ernährt wurden.

In mehreren klinischen Studien bei Kindern mit einer Regulationsstörung des autonomen Nervensystems aufgrund eines Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), eines Kleinwuchses oder einer Adipositas konnten wir zeigen, dass eine Substitution mit n-PUFAs zu einer hoch signifikanten Verbesserung der reduzierten Herzfrequenzvariabilität führt.

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Zuvor hatten wir einen Abfall der Herzfrequenzvariabilität von gesunden Kindern in den letzten 20 Jahren beschrieben und die Hypothese publiziert, dass die erschreckende Zunahme von Essstörungen wie der Adipositas und von seelischen Erkrankungen wie dem ADHS im Sinne der sogenannten Neuen Morbidität im Kindesalter durch eine Störung des autonomen Nervensystems bedingt ist.

Zusammenfassend sollten die begrenzten Ressourcen an n-PUFAs zur Primärprophylaxe seelischer und kardiovaskulärer Erkrankungen bei Müttern, Säuglingen und Kindern eingesetzt werden und nicht zur Sekundärprophylaxe bei älteren Erwachsenen. Der ernährungsbedingte Mangel an n-PUFAs steht in einem direkten Zusammenhang mit den finanziellen Ressourcen einer Familie und könnte eine Ursache für die unterschiedliche soziale Verteilung der neuen Morbidität im Kindesalter sein.

Prof. Dr.med. Reiner Buchhorn, 97980 Bad Mergentheim

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