ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018PSA-Test: Diagnose ohne Effekt

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PSA-Test: Diagnose ohne Effekt

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): A-587 / B-512 / C-512

Meyer, Rüdiger

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Mit einem einmaligen PSA-Screening werden zwar mehr Prostatakarzinome entdeckt, das hat aber keinen Einfluss auf das Sterberisiko der Patienten.

Ein einmaliger PSA-Test hat in der weltweit größten Studie zur Früherkennung des Prostatakarzinoms zwar die Zahl der Krebsdiagnosen erhöht, nach den jetzt im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (1) vorgestellten Ergebnissen die Sterblichkeit der Patienten in den ersten 10 Jahren jedoch nicht gesenkt.

Der Cluster Randomized Trial of PSA Testing for Prostate Cancer (CAP) hat in einer zufällig ausgewählten Gruppe von Arztpraxen in England und Wales 189 386 Männern im Alter von 50–69 Jahren einen einmaligen PSA-Test angeboten, der ein von Krebszellen, aber häufig auch von gesunden Zellen ins Blut freigesetztes prostataspezifisches Antigen (PSA) nachweist. Die Vergleichsgruppe bildeten 219 439 Männer aus Hausarztpraxen.

Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 10 Jahren sind 549 Männer der PSA-Gruppe an Prostatakrebs gestorben. Dies ergibt eine krankheitsspezifische Sterberate von 0,30/1 000 Personenjahre. In der Kontrollgruppe starben 647 Männer am Prostatakarzinom. Die krankheitsspezifische Sterberate betrug hier 0,31/1 000 Personenjahre, ein nahezu identischer Wert, der die Berechnung der Rate Ratio (0,96; 95-%-KI 0,85–1,08) eigentlich überflüssig gemacht hätte.

Wie die Wissenschaftler der Universität Bristol berichten, wurde in der PSA-Gruppe in den ersten 10 Jahren bei 8 054 Teilnehmern (4,3 %) ein Prostatakarzinom diagnostiziert, das bei 3 263 Teilnehmern (1,7 %) einen Gleason-Score von 6 oder weniger hatte, was bei einer frühzeitigen Operation gute Heilungschancen verheißt. In der Kontrollgruppe waren es 7 853 Männer (3,6 %), darunter 2 440 Malignome (1,1 %) mit einem günstigen Gleason-Score von 6 oder weniger.

Obwohl die Autoren raten, weitere Langzeitergebnisse abzuwarten, dürfte damit die Einführung eines PSA-Screenings im National Health Service gescheitert sein. Die Ergebnisse der CAP-Studie dürften indes niemanden überraschen, da bereits die US-amerikanische PLCO-Studie (n = 77 000) und die europäische ERSPC-Studie (n = 162 000) den Nutzen des PSA-Screenings nicht belegen konnten. Hierbei hatten die Teilnehmer an mehreren Tests teilgenommen.

Andererseits ist die CAP-Studie nicht ohne Schwächen. Es beginnt damit, dass nur ein Drittel der Teilnehmer, denen in der PSA-Gruppe ein Test angeboten wurde, diesen auch durchführen ließen. Hinzu kommt, dass von den Teilnehmern mit einem positiven PSA-Testergebnis nicht alle operiert wurden. Die Teilnehmer wurden im Rahmen der ProtecT-Studie vielmehr zu je einem Drittel einer radikalen Prostatektomie, einer Radiotherapie und einer aktiven Surveillance zugeordnet.

Damit dürfte nur eine Minderheit der CAP-Teilnehmer mit positivem PSA-Test eine sofortige Behandlung mit kurativer Absicht erhalten haben. Ein weiterer Faktor, der die Ergebnisse verwässert haben könnte, ist ein Anteil von 10–15 % der Teilnehmer aus der Kontrollgruppe, die entgegen der Randomisierung im weiteren Verlauf einen (oder mehrere) PSA-Test(s) haben durchführen lassen. Rüdiger Meyer

1.
Martin RM, Donovan JL, Turner EL, et al.: Effect of a Low-Intensity PSA-Based Screening Intervention on Prostate Cancer Mortality: The CAP Randomized Clinical Trial. JAMA 2018; 319 (9): 883–95 CrossRef MEDLINE
1.Martin RM, Donovan JL, Turner EL, et al.: Effect of a Low-Intensity PSA-Based Screening Intervention on Prostate Cancer Mortality: The CAP Randomized Clinical Trial. JAMA 2018; 319 (9): 883–95 CrossRef MEDLINE

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 17. Juli 2018, 13:29

Inkompetentes Harding-Zentrum?

Der Gegendarstellung in: Der Urologe
July 2018, Volume 57, Issue 7, pp 777–779 | Cite as
"Gegendarstellung zu: PSA‑Screening - Möglicher Nutzen und Schaden von N. Keller, M. Jenny, G. Gigerenzer, R. Ablin"
von Carsten Stephan, Thorsten Schlomm und Klaus Jung aus der Urologie UK Berlin/Charité
["Reply to: PSA screening - Possible uses and harm by N. Keller, M. Jenny, G. Gigerenzer, R. Ablin"]
https://link.springer.com/article/10.1007/s00120-018-0697-0
kann ich inhaltlich nur voll zustimmen.

Die Publikation von Keller N, Jenny MA, Gigerenzer G, Ablin RJ (2018) "PSA-Screening: Möglicher Nutzen und Schaden." Dtsch Arztebl 115(13):A-583/B-509/C-509
https://www.aerzteblatt.de/archiv/197100/PSA-Screening-Moeglicher-Nutzen-und-Schaden
belegt erneut die Medizin-Bildungsferne und mangelhafte versorgungsforscherische Kompetenz des Harding-Zentrums für Risikokompetenz.

PSA-Test u n d kompetente urologische Untersuchung bedeutet für 96% bis 99% der Ratsuchenden komplette Entwarnung bei unauffälligem Befund als reine Vorsorgemaßnahme o h n e weitere interventionelle Risiken.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 3. April 2018, 13:22

Einfältig einmaliger PSA-Test!

Der mit dem "Cluster Randomized Trial of PSA Testing for Prostate Cancer (CAP)" in einer zufällig ausgewählten Gruppe von Arztpraxen in England und Wales an 189.386 Männern im Alter von 50–69 Jahren durchgeführte e i n m a l i g e PSA-Test ist an wissenschaftlicher Einfältigkeit kaum zu überbieten. Es wäre absurd, wenn dadurch die Prostata-Karzinom-Detektion n i c h t erhöht worden wäre.

"Effect of a Low-Intensity PSA-Based Screening Intervention on Prostate Cancer Mortality - The CAP Randomized Clinical Trial" von Richard M. Martin et al. https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2673968?redirect=true
ist beispielhaft für mit "publish or perish" (veröffentliche oder verrecke) verunglückte Forschungs- und Wissenschaftspolitik.

Genausowenig kann ein einmaligen Blutbild die 10-Jahres-Mortalität von Leukämie, malignem Lymphom o.ä. signifikant verändern, wie in der vorliegenden Arbeit vergleichbar festgestellt wurde: "The single PSA screening intervention detected more prostate cancer cases but had no significant effect on prostate cancer mortality after a median follow-up of 10 years."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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