ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Epilepsie: EEG-Befunde vereinheitlichen

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Epilepsie: EEG-Befunde vereinheitlichen

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): A-572 / B-500 / C-500

Gießelmann, Kathrin

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In der Epilepsiebehandlung steht die Telemedizin noch ganz am Anfang. Eine Ursache: Während Ärzte MRT- und CT-Bilder längst im einheitlichen DICOM-Format austauschen, werden EEG-Befunde meist uneinheitlich per Fax versendet. Das soll sich jetzt ändern.

EEG-Befunde werden bisher nur selten telemedizinisch übermittelt. Das zentrale Problem dabei ist, dass eine standardisierte Ablage zum Beispiel im DICOM-Format noch nicht möglich ist. Foto: Tobilander/stock.adobe.com
EEG-Befunde werden bisher nur selten telemedizinisch übermittelt. Das zentrale Problem dabei ist, dass eine standardisierte Ablage zum Beispiel im DICOM-Format noch nicht möglich ist. Foto: Tobilander/stock.adobe.com

Etwa ein Drittel der Epilepsiepatienten wird nicht dauerhaft anfallsfrei. Sie würden ebenso von einem besseren telemedizinischen Versorgungsnetzwerk profitieren wie Patienten in ländlichen Regionen. Dafür müssten aber zunächst administrative Probleme in der Telemedizin beseitigt werden, erklärten Experten der Deutschen Gesellschaft für klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) bei ihrer Jahrestagung in Berlin. Ein zentrales Problem in der Epilepsieversorgung aus der Ferne: Es gibt keine einheitliche telemedizinische Aufzeichnung und Übermittlung der Elektroenzephalographe-Befundung (EEG) und auch kein einheitliches Format. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass EEG-Bilder mit dem Fax verschickt werden, um die Meinung eines Spezialisten einzuholen“, berichtete Prof. Dr. med. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Frankfurt Rhein-Main beim DGKN-Kongress. Auswärts erhobene EEG-Befunde ermöglichen daher oft keine qualitativ ausreichende Nachbefundung.

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Vorbild Stroke-Units: flächendeckende Versorgung möglich

Dass es auch anders geht, zeigen die Stroke-Units. „In der Schlaganfallversorgung ist dank der Telemedizin bereits ein reger Austausch zwischen peripheren Kliniken und Schlaganfallzentren etabliert“, sagte Rosenow. CT- oder MRT-Bilder des Gehirns werden hier im standardisierten DICOM-Format ausgetauscht. Gleichzeitig kann ein Arzt den Kollegen vor Ort per Video bei der Untersuchung und Befundung unterstützen.

Eine Kommission der International Federation für Clinical Neurophysiology (IFCN) befasst sich daher mit der Speicherung von EEG-Daten im DICOM-Format. Diese standardisierte Datenspeicherung müsse kompatibel mit den KIS-Systemen der Krankenhäuser sein, sagte der Neurologe vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Zudem würden in der Differenzialdiagose von Epilepsien zunehmend Laienvideos von Anfällen an Bedeutung gewinnen.

Um epileptologische Expertisen hierzulande in der Fläche verfügbar zu machen, gibt es diverse regionale Projekte (http://daebl.de/KD83). Unter Rosenows Leitung plant beispielsweise das EpilepsieNetz Hessen telemedizinische Konsile unter Verwendung von klinischen, MRT- und EEG-Daten. Letztere sollen im DICOM-Format gespeichert werden. In Sachsen-Anhalt wird der Einfluss eines EEG-Monitorings in der häuslichen Umgebung im Vergleich zu einem Routine-EEG in der Klinik auf das Patientenmanagement untersucht. In Sachsen entwickeln Forscher ein mobiles Assistenzsystem, das Epilepsiepatienten überwacht und Anfälle vorhersagen soll (NeuroESP). Die Daten des telemedizinischen Netzwerks für Epilepsie in Bayern (TelEp) liegen bereits vor. Die diagnostische Einschätzung übernahmen die teilnehmenden Krankenhäuser zu 61,4 Prozent, die Therapieempfehlungen wurden zu 71,7 Prozent umgesetzt.

Bisher nicht zum Einsatz kommen bei diesen Projekten Epilepsie-Management-Apps und Wearables wie Lola oder Embrace. „Solche automatischen Überwachungsanwendungen machen nur dann Sinn, wenn bei einem Alarm für einen epileptischen Anfall innerhalb von maximal fünf Minuten Hilfe vor Ort ist“, sagte Rosenow. In vielen Singlehaushalten ist diese Voraussetzung nicht gegeben. „Die meisten Kollegen sind daher noch skeptisch.“ Dauert der Anfall länger als fünf Minuten, kann dies lebensgefährlich sein. Kathrin Gießelmann

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