ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Pädiatrie: In einem Boot
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... Den Autoren gelingt es äußerst plausibel, einerseits den Stellenwert der Kinderheilkunde für zukünftige Generationen und andererseits die prekäre ökonomische Situation des Faches darzustellen.

Wer über Kindermedizin spricht, sollte die Kinderchirurgie als eigenständige, aber eng verwobene Disziplin nicht unerwähnt lassen. Daran anknüpfend nenne ich die hoch spezialisierte Kinderanästhesie und andere Fachdisziplinen mit pädiatrischen Teilbereichen. Die für die Pädiatrie getroffenen Feststellungen sind in der Mehrzahl auf die Verhältnisse für die Chirurgie am Kind übertragbar. Kinderchirurgen leisten hier Außerordentliches und tragen maßgeblich zur Senkung der Kindermortalität und Morbidität bei. Die Balance zwischen flächendeckender Versorgung und Zentrenbildung erlaubt eine hochkompetente kinderchirurgische Versorgung in unserem Land. Auch für die Kinderchirurgie ist die „strukturelle Benachteiligung“ bei breitem Behandlungsspektrum, fachgebunden hohem Anteil seltener Entitäten und hoher Morbidität in der Fehlbildungschirurgie allgegenwärtig.

Der überproportionale Anteil nicht planbarer Notfälle erfordert die Vorhaltung qualifizierten ärztlichen und pflegerischen Personals, insbesondere auch nachts und am Wochenende. Notfallmedizin und dringliche Eingriffe dominieren die Abläufe und verlangen eine überdurchschnittliche Flexibilität des Teams. Der besondere Schutzanspruch des Kindes, hoher Informationsbedarf der Eltern und die Einzigartigkeit des Arzt-Patientenverhältnisses in der Kindermedizin sind eine permanente Herausforderung für alle Kindermediziner. Ein einschlägiges Problembewusstsein beim Krankenhausträger ist zu wünschen und motiviert zum effizienten Umgang mit den verknappten Ressourcen. Das sich ergebende Spannungsfeld zwischen medizinisch-psychologischen Anforderungen und Ökonomie sowie die von den Autoren zitierte „Erpressbarkeit über Ethik und Empathie“ sind Zeichen eines hohen Identifikationsgrades von ärztlichem Dienst und Pflege, aber auch eine Achillesferse der Kinderchirurgen.

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Ein besonderer Verdienst der Bestandsaufnahme ... ist es, Lösungsansätze aufzuzeigen. Diese tun Not für die Kinderheilkunde und ohne Einschränkungen auch für das kinderchirurgische Pendant des Faches. Kinderärzte und -chirurgen sitzen in einem Boot. Den Autoren und dem Deutschen Ärzteblatt sei gedankt, sich dieses brisanten Themas angenommen zu haben. Zu wünschen sind ein zunehmendes Problembewusstsein bei Entscheidungsträgern und eine Umsetzung aufgebotener Lösungen.

Univ.-Prof. Dr. med. Ralf-Bodo Tröbs, 44627 Herne

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