ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Varikosis: Krampfadern mit erhöhtem Risiko für thromboembolische Erkrankungen assoziiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Varikosis: Krampfadern mit erhöhtem Risiko für thromboembolische Erkrankungen assoziiert

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): A-588 / B-513 / C-513

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Circa ein Viertel der Erwachsenen haben Krampfadern. Die Varikosis ist häufig Ursache von schmerzhaften venösen Beinulzera, gilt aber nicht als Auslöser für Lungenembolien. Denn Thromben, die die Lungenarterien verlegen, haben ihren Ursprung in tiefen Beinvenen, nicht in den oberflächlich gelegenen Varizen. Diese können allerdings Folge einer tiefen Venenthrombose (DVT) sein, wenn das Blut über oberflächliche Venen umgeleitet wird.

In einer retrospektiven Analyse von Versichertendaten in Taiwan wurde untersucht, ob Krampfadern mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen oder eine periphere Verschlusskrankheit assoziiert sind (1). In den Jahren 2001–2013 ließen sich 212 984 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 54,5 Jahren wegen Varikosis behandeln (69,3 % Frauen). Ihre Daten wurden verglichen mit denen ebenso vieler Personen, die wegen anderer Ursachen behandelt wurden und in den übrigen Parametern vergleichbar waren.

Die Varikosis-Patienten erkrankten in den folgenden 7–8 Jahren
mit einer Hazard Ratio (HR) von 5,30 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [5,05; 5,56]) signifikant häufiger an einer DVT als die Kontrollkohorte. Eine Assoziation bestand auch mit Lungenembolien (HR: 1,73; [1,54; 1,94]) und mit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (HR: 1,72; [1,68; 1,77]).

Fazit: Varikosis ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für tiefe Venenthrombosen assoziiert. Retrospektive Kohortenstudien seien anfällig für Verzerrungen und könnten keine Kausalität aufzeigen, so die Autoren. Ein 5-fach erhöhtes Risiko aber sei erklärungsbedürftig. So könne Varikosis Zeichen eines geschädigten Gefäßsystems mit erhöhter Entzündungs- und Thromboseneigung sein.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen vor einigen Jahren Prof. Dr. med. Uwe Müller-Bühl von der Universität Heidelberg und Kollegen in einer Analyse des primärärztlichen CONTENT-Registers. Demnach erkranken in Deutschland Patienten mit Varikosis später häufiger an tiefen Beinvenenthrombosen (Odds Ratio: 7,33 [6,14; 8,74]). Besondere ärztliche Aufmerksamkeit sei dann erforderlich, wenn die Patienten in der Vergangenheit bereits schon an tiefen Beinvenenthrombosen erkrankt waren, an Krebs litten oder kürzlich im Krankenhaus behandelt worden waren. Rüdiger Meyer

  1. Chang SL, Huang YL, Lee MC, et al.: Association of varicose veins with incident venous thromboembolism and peripheral artery dis-ease JAMA 2018; 319: 807–17.
  2. Müller-Bühl U, Leutgeb R, Engeser P, et al.: Varicose veins are a risk factor for deep venous thrombosis in general practice patients. Vasa. 2012; 41: 360–5.

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