ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Medizintourismus – Weniger Patienten aus dem Ausland

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Medizintourismus – Weniger Patienten aus dem Ausland

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): [4]

SG

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Im Jahr 2016 haben sich etwa 253 000 Patienten aus 181 Ländern stationär oder ambulant in Deutschland behandeln lassen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 1,1 Prozent. Wie die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg weiter mitteilt, hat die Behandlung dieser ausländischen Patienten den deutschen Kliniken und Praxen 1,2 Milliarden Euro an Einnahmen gebracht.

Foto: Lesia_G/stock.adobe.com
Foto: Lesia_G/stock.adobe.com

Weitere Ergebnisse der Analyse: Wie bereits im Vorjahr hat sich der Abwärtstrend zweier wichtiger Märkte fortgesetzt: Aus Russland kamen 13 Prozent weniger Patienten nach Deutschland, aus Kasachstan 32 Prozent. Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieht indes Anzeichen dafür, dass sich die Nachfrage in diesen Ländern wieder stabilisiert und vor allem aus Russland wieder mehr Patienten in deutsche Gesundheitseinrichtungen kommen. In der Ukraine habe bereits eine Trendumkehr eingesetzt. Dort sei die Zahl der Patienten, die sich in Deutschland behandeln lassen, wieder um knapp acht Prozent gestiegen.

Anzeige

Auch die medizinischen Behandlungsreisen aus den Golfstaaten sind im Jahr 2016 eingebrochen: In den Vereinigten Arabischen Emiraten gingen sie um acht Prozent, in Saudi-Arabien um 20 Prozent, in Katar um 13 Prozent und im Oman um 36 Prozent zurück. Neben der ohnehin starken Schwankung in diesen Märkten seien dafür auch ökonomische und politische Faktoren verantwortlich. Juszczak rechnet damit, dass viele Golfstaaten künftig weniger finanzielle Mittel für Auslandsbehandlungen zur Verfügung stellen. Haushaltsdefizite, die Einführung der Mehrwertsteuer in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Budgetkürzungen deuteten darauf hin.

„Die vergleichsweise schlechte Organisation in den eigenen Konsulaten sowie die geringe Transparenz bei der Zusammenarbeit mit Dienstleistern und Kliniken führen zu einer großen Verunsicherung in den arabischen Ministerien“, sagte Juszczak. Klare Strukturen, eine geregelte Zusammenarbeit und eine Zertifizierung aller Akteure anhand objektiver Kriterien könnten wieder Vertrauen schaffen. sg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.