ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2018Von schräg unten: Urkunde

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Urkunde

Dtsch Arztebl 2018; 115(13): [64]

Böhmeke, Thomas

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, hach, heute ist ein wundervoller Tag, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie ich mich fühle!

Gleich einer berstenden Nierenzyste platze ich vor Stolz, denn ich habe eine Urkunde bekommen! Heute morgen, beim Plündern des Briefkastens, fischte ich dieses hochwertige Kuvert zwischen unnützer Werbung heraus, und dann hielt ich sie in den Händen: meine Urkunde!

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Bevor mir, da zitternd vor Freude, die Brille von der Nase fiel, konnte ich gerade noch lesen, dass ich als Arzt empfohlen werde! Jawohl, so ist jetzt amtlich und in feierlichen Lettern für immer festgehalten: Meine Ausbildung, mein Engagement, meine Vortragstätigkeit und meine Publikationen werden in höchster Form gewürdigt! Endlich, endlich verneigt sich ganz Deutschland angesichts meines unermüdlichen Tuns, meines rechtschaffenen Schaffens, meiner unerschöpflichen Energie zum Wohle der Gesellschaft!

Gleich einem für höchste Auszeichnungen nominierten Film lief mein Werdegang vor meinem Glaskörper ab: Der heroische Entschluss, die Kraft meiner Jugend nicht in schummrigen Diskotheken oder mit der Erforschung mehr oder weniger bewusstseinserweiternder Substanzen zu vergeuden, sondern mich tief in die Geheimnisse des menschlichen Körpers zu versenken.

Ach, was waren das für Zeiten! Lehrbücher der Anatomie, der Histologie und Physiologie begleiteten mich bis aufs WC, klebten hinter dem Windschutz meiner altersschwachen Vespa, an der Frontscheibe meines Goggomobils!

Entbehrungsreich war es auch. So war der Kühlschrank schneller leer als der Monat zu Ende, zum Abendessen gab es nur noch Fingernägel zum Kauen, was die Vegetarier unserer Wohngemeinschaft in einen unauflösbaren Konflikt trieb. Die wunderbare Selbsterfahrung, dass ich nach 36 Stunden Dienst im Krankenhaus noch grade so gehen konnte! Dass ich gelernt habe, Wörter wie Pentaerythrityltetranitrat oder Hydroxymethylglutarylcoenzymareduktase ohne Spontanhämatom der Zungenmuskulatur über die Lippen gleiten zu lassen!

Aber jetzt habe ich es schwarz auf weiß, mein unermüdlicher Einsatz wird gebührend gewürdigt! Mal unter uns: Das wurde ja auch höchste Zeit, weil allerorten noch die Fehldiagnose randaliert, wir Ärzte würden nur dem schnöden Mammon hinterherjagen, hätten nur Interesse an Sportwagen und Steuerhinterziehung, an Handicap und Hausse!

Hier halte ich sie nun in den Händen, die silbern gerandete Urkunde für selbstlose Hingabe, für…. die beste aller Ehefrauen kommt nach Hause. Schatz, guck mal! Ich habe eine Urkunde bekommen! „Das ist ja unglaublich! Zeig‘ mal her!“ Strahlend wie ein Radiopharmakon überreiche ich ihr das kostbare Dokument. „Hm… ja, das ist von einer Wochenzeitschrift....“ Egal! Ich muss es überall publik machen! Im Internet veröffentlichen! In der lokalen Tageszeitung! In der Praxis! „Das würde ich mir noch gut überlegen... die wollen 1 900 Euro dafür, dass Du diese Urkunde in der Praxis aufhängen darfst.“ 1 900 Euro?! Was soll das denn, bin ich nun geehrt oder wie?! „Guck Dir das mal genau an.“ Tatsächlich. 1 900 Schleifen. Bodenlose Frechheit! Die Schönheit des Tages sinkt in sich zusammen wie besagte Nierenzyste nach Punktion.

Aber da kommt mir eine Idee: Ich werde es genau so machen! Ich werde den “Dr.-Böhmeke-Preis für verdiente Kolleginnen und Kollegen“ ausloben, und damit ich, äh, die Kollegen es wirklich wertzuschätzen wissen, 5 000 Euro verlangen! „Ich weiß nicht.“ Wieso? Das ist doch eine brillante Idee! „Wie lange schreibst Du schon die Glossen im Deutschen Ärzteblatt?“ Naja, ein Sechstel Jahrhundert, aber was hat das damit zu tun? „Deine Kollegen wissen schon, dass Du es mitunter nicht ganz ernst meinst.“ Was für ein blöder Tag!

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Donnerstag, 29. März 2018, 21:25

Die Urkunde ist unwichtig!

Entscheidend ist das Gerichtsverfahren über die christliche Gemeinde. Der Apostel Paulus schreibt in 2.Korinther 5,10: "Denn wir alle müssen vor Christus erscheinen, wenn er Gericht hält. Dann wird jeder bekommen, was er verdient, je nachdem, ob er in seinem irdischen Leben Gutes getan hat oder Schlechtes.", s. auch 1.Korinther 3,8-15.
Um aber überhaupt zu diesem Gerichtsverfahren zugelassen zu werden, sind diese Bibelaussagen zu beachten:
Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen. Epheser 2,10
Ein Glaube ohne Taten ist tot. Jakobus 2,17
Laue Christen wird Jesus aus seinem Mund ausspucken. s. Offenbarung 3,14-22
Wer keine reiche Frucht bringt, wird von Jesus getrennt. s. Johannes 15,1-17
Faulpelze und Taugenichtse werden von Jesus getrennt. s. Matthäus 25,14-30
Das Urteil des Weltrichters s. Matthäus 25,31-46

Jesus Christus verschleudert das ewige Leben nicht im Sonderangebot!!!

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