ArchivMedizin studieren1/2018Was war Ihr schwierigster Patient?

Studium: Die Frage

Was war Ihr schwierigster Patient?

Medizin studieren, SS 2018: 6

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Foto: privat

Typisch Hausarzt!

Dr. med. Ortwin Schuchardt
Hausarzt in einer akademischen Lehrpraxis

Mein schwierigster Patient war ein kleiner, zwei-/dreijähriger Junge. Das lag nicht an dem Jungen selbst, sondern daran, dass zunächst keiner meiner Verdachtsdiagnose – der Verdachtsdiagnose eines Hausarztes – glaubte. Bei dem Jungen waren bei den U-Untersuchungen Probleme mit dem Stuhlgang aufgefallen. Ich hatte das Gefühl, dass es sich um Morbus Hirschsprung handeln könnte, eine Erkrankung, die mir durch meinen Studienaufenthalt in den USA im Gedächtnis geblieben war. Ich überwies den Jungen an die Universitätskinderklinik, die die Verdachtsdiagnose als absurd abtat. „Typisch Hausarzt!“, hieß es. Eine andere Universitätskinderklinik bestätigte jedoch die Diagnose und der Junge wurde erfolgreich operiert.

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Akzeptanz lohnt!

Jana Aulenkamp,
Medizinstudentin und bvmd-Präsidentin

Während der Datensammlung zu meiner Doktorarbeit erlebe ich viele Patienten mit frischen Knochenbrüchen: Ein junger Mann hatte sich durch einen Sportunfall einen schmerzhaften Bruch an der Wirbelsäule zugezogen, der unter Umständen seine gesamte sportliche Karriere einschränken konnte. Im Krankenhaus war er deshalb leicht aggressiv und sehr deprimiert. Dies nicht als nervig zu bezeichnen, erforderte ein hohes Maß an Akzeptanz sowie Selbstreflektion. Immer wieder musste ich dagegen ankämpfen, diesen Patienten zu verurteilen. Aber es lohnt sich: Als er sechs Wochen später zur Kontrolle kam, habe ich fast einen anderen Menschen erlebt. Er hat mir für mein offenes Ohr und meinen guten Umgang gedankt. 

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Hilfe, Polizei!

Dr. med. Rosa Michaelis, Ärztin in der Weiterbildung zur Neurologin und Psychotherapeutin

Während eines Nachtdienstes stellte sich relativ spät am Abend ein Patient mit Rückenschmerzen vor. In Anamneseerhebung und Untersuchung zeigte sich demonstrativ ein massiver Leidensdruck in deutlicher Diskrepanz zu den objektivierbaren Befunden. Nach Leitlinie bestand keinesfalls eine Indikation zur stationären Therapie. Auf geduldige Edukation reagierte der Patient abwehrend und aggressiv. Die Situation eskalierte so weit, dass der Patient die Polizei rief, da ich ihn nicht aufnehmen wollte. Erst rückblickend – nach einem Weiterbildungsjahr in der Psychiatrie – kann ich die Reaktion des Patienten, bei dem eine schwere Persönlichkeitsstörung vorgelegen haben muss, besser einsortieren.

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Stopp!

Frederik Sand
Arzt in der Weiterbildung zum Pathologen

Meine schwierigste Patientin hatte ich während einer Psychiatrie-Famulatur: Die Frau hatte eine mittelschwere Depression bei einer histrionisch/narzistischen Persönlichkeitsstörung. Kennzeichnend dafür ist eine emotionale Instabilität mit übermäßigem Verlangen nach Aufmerksamkeit. Häufig neigen die Patienten dabei zu dramatischen Auftritten, erfinden Geschichten oder machen „eine Szene“. In dieser Famulatur habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, Patienten im Gespräch zu führen und auch an den richtigen Stellen zu begrenzen.

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