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Versicherungen für Mediziner: Sicherer Start

Medizin studieren, SS 2018: 22

Rosch, Lisa

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Manch einer kümmert sich bereits während des Studiums darum, für andere wird das Thema „Versicherungen“ erst mit Beginn der Weiterbildung aktuell. Hier ein Überblick, welche verpflichtend und empfehlenswert sind.

Wie viel Absicherung braucht man beim Einstieg in die Weiterbildung? Das kann individuell unterschiedlich sein, ist jedoch vor allem für Berufsanfänger in der Medizin schwer einzuschätzen. Hilfreich sind Gespräche mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen jeder Karrierestufe oder die Nutzung der Informationsangebote einzelner Versicherungen.

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Zweifelsohne gehört jedoch die Berufshaftpflicht zu den wichtigsten Versicherungen. Laut Kammergesetzen der Lan­des­ärz­te­kam­mern ist sie sogar eine Pflichtversicherung, bei Verstoß droht eine Approbationssperre. Die Berufshaftpflicht wird oft in einem Atemzug mit der Privathaftpflicht genannt. Letztere versichert jedoch nicht gegen Ereignisse im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit.

Während der Arbeitszeit ist man als angestellter Arzt (in Weiterbildung) normalerweise über das Krankenhaus als Arbeitgeber versichert. Ob das Krankenhaus eine Berufshaftpflicht abgeschlossen hat, in die man eintreten kann, sollte man frühzeitig erfragen. Regressansprüche von Patienten können sich im Regelfall nicht gegen den behandelnden Arzt richten, da der Patient einen Behandlungsvertrag mit dem Krankenhaus abgeschlossen hat. Mögliche Versicherungslücken entstehen bei Fällen der groben Fahrlässigkeit, diese kann der Arbeitgeber vertraglich ausklammern.

Wer jedoch einen Schaden verursacht während des Notarzteinsatzes, der Erste-Hilfe-Leistung auf der Straße oder einfach bei der Rezeptierung eines Schmerzmittels für die Freundin, braucht eine zusätzliche, eigene Berufshaftpflicht. Für Schäden im Rahmen dieser außerdienstlichen Tätigkeiten kommt die Versicherung des Krankenhauses nämlich nicht auf und der Arzt haftet mit seinem gesamten Privatvermögen. Auch PJ-Studierende können bei groben Fehlern bereits eine derartige Absicherung benötigen, beispielsweise bei Verlust des Klinikschlüssels. Obligat ist eine Berufshaftpflicht für freiberufliche Ärzte, beispielsweise Honorarärzte, und Niedergelassene. Die Versicherung schließt in letzterem Fall normalerweise auch Praxisangestellte mit ein.

Im Gegensatz dazu deckt die Privathaftpflichtversicherung Schäden ab, die nichts mit dem ärztlichen Beruf zu tun haben, zum Beispiel während des Freizeitsports, im Ausland und im Straßenverkehr. Der Abschluss einer Privathaftpflicht ist dringend empfehlenswert. Die Deckungssumme sowohl der Berufs- als auch der Privathaftpflicht sollte mindestens 5 Millionen Euro betragen. Es empfiehlt sich, den Vertrag regelmäßig auf Aktualität zu prüfen und geänderten Lebens- und Arbeitsbedingungen anzupassen. Privat- und Berufshaftpflicht werden sehr häufig kombiniert abgeschlossen.

Unfallversicherung

Bei der Unfallversicherung muss man zwischen der verpflichtenden gesetzlichen und der freiwilligen privaten Unfallversicherung unterscheiden. Gesetzlich ist man automatisch als Angestellter über den Arbeitgeber über die entsprechende Unfallkasse beziehungsweise Berufsgenossenschaft (BG) unfallversichert, sie haften für Arbeitsunfälle. Ein Arbeitsunfall liegt definitionsgemäß in folgenden Fällen vor:

● durch äußere Krafteinwirkung verursachte körperliche Schädigung

● die Schädigung tritt während der Arbeitszeit oder auf dem Arbeitsweg (hin oder zurück) ein. In letzterem Fall sind Umwege zum Privatvergnügen (Brötchenholen) nicht mitversichert, wohl jedoch Umwege, die durch Fahrgemeinschaften oder das Abliefern von Kindern in Schule oder Kindergarten bedingt sind

● Berufskrankheiten

Das bedeutet in der Praxis, dass eine Schnittverletzung mit dem Skalpell ein Arbeitsunfall ist, ein Bandscheibenvorfall durch die unergonomische Arbeitshaltung am OP-Tisch jedoch nicht. Ein Treppensturz vor der Haustür auf dem Weg zur Arbeit ist ein Arbeitsunfall, ein Treppensturz während des Umwegs zum Bäcker jedoch nicht.

Für die Berufskrankheiten gibt es einen Katalog mit anerkannten Krankheiten (Berufskrankheiten-Verordnung), zum Beispiel die Silikose bei Bergwerksarbeiten (chemische Einwirkung) oder das Karpaltunnelsyndrom bei Bauarbeitern (mechanische Einwirkung).

Die private Unfallversicherung deckt Unfälle sowohl während der Arbeitszeit als auch in der Freizeit weltweit ab. Es ist jedoch gut, sich klarzumachen, in welchen Fällen diese wirksam wird. Denn nicht jede Bagatellverletzung erfüllt den Anspruch eines Schadensfalls. In der Regel sind nämlich nur schwere Unfälle, die zu einer bleibenden Einschränkung führen, abgedeckt, zum Beispiel der Verlust eines Daumens. Ein Handgelenksbruch, den man sich beim Mountainbiken zugezogen hat und der ohne weitere Folgen verheilt, zählt nicht dazu.

Das Prinzip der privaten Unfallversicherung ist die gutachterliche, prozentuale Einordnung des Funktionsverlusts (Gliedertaxe) und die davon direkt abhängige einmalige Auszahlung. Diese soll zum Beispiel behindertengerechte Baumaßnahmen am Haus oder Auto ermöglichen. Liegt bereits vor dem Unfall eine Erkrankung vor, die in relevantem Maß die Gesundheitsfolgen nach dem Unfall beeinflusst, wird die Versicherung im Regelfall die Auszahlungssumme anteilig kürzen (Mitwirkungsanteil).

Statistisch gesehen werden Menschen sehr viel häufiger aufgrund chronischer Krankheiten als durch Unfälle arbeitsunfähig. Doch vor allem, wenn risikoreiche Hobbys ausgeübt werden, wie Fallschirmspringen, Mountainbiken und Heimwerkern, ist eine private Unfallversicherung zusätzlich zu der sowieso vorhandenen gesetzlichen Unfallversicherung für Ärzte empfehlenswert.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer sich optimal gegen eine Berufsunfähigkeit wappnen möchte, sollte zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist eine fakultative Versicherung. Ob man sie braucht oder nicht – dazu gibt es höchst unterschiedliche Meinungen. Interessant ist, sich klarzumachen, welche Schicksalsschläge eigentlich zu einer Berufsunfähigkeit führen können: An erster Stelle stehen in etwa einem Viertel aller Fälle in Deutschland psychische Erkrankungen, gefolgt von Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparats. Auf dem dritten Platz finden sich maligne Erkrankungen. Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind seltener ursächlich. Das Risikoprofil eines Mediziners wird erweitert durch Infektions- und Strahlenkrankheiten.

Alle in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte sind durch das Ärztliche Versorgungswerk der jeweiligen Länder (ÄVW) gegen eine Berufsunfähigkeit verpflichtend versichert. Der Beitrag wird vom monatlichen Gehalt einbehalten. Der Nachteil dieser BU liegt darin, dass das ÄVW erst eine entsprechende BU-Rente zahlt, wenn der Versicherte zu 100 Prozent berufsunfähig ist. Dies ist der Fall, wenn aufgrund der Schwere der Erkrankung auch kein anderer Beruf ausgeübt werden kann. Sobald der Versicherte auch nur theoretisch einer anderen Beschäftigung, zum Beispiel einer gutachterlichen Tätigkeit mit einem Aufwand von zwei Stunden pro Woche, nachgehen kann, liegt kein Versicherungsfall nach Maßgaben des Ärztlichen Versorgungswerks vor.

Rechtsschutzversicherung

Die Rechtsschutzversicherung gehört zu den freiwilligen, aber durchaus sinnvollen Versicherungen für Ärztinnen und Ärzte. Es ergeben sich unterschiedliche Gefahren für angestellte und selbstständige Ärzte. Neben den gerichtlichen Streitfällen, die jedermann betreffen können, wie zum Beispiel ein Nachbarschaftsstreit, steuerrechtliche Angelegenheiten, Mietrechts- und Verkehrsrechtsstreitigkeiten, können speziell Ärzte mit Schmerzensgeldforderungen, arbeitsrechtlichen Fragen (Kündigung) oder auch Vertragsstreitigkeiten (Gemeinschaftspraxis) konfrontiert werden.

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für den Anwalt, die Gerichtskosten, die Kosten für Sachverständige und auch die Kosten für den Gegner, sofern diese übernommen werden müssen. Welche Bereiche abgedeckt werden sollen, kann individuell vereinbart werden. Folgende „Bausteine“ stehen zur Auswahl:

● Privatrechtsschutz

● Berufsrechtsschutz

● Verkehrsrechtsschutz

● Spezial-Straf-Rechtsschutz

● Mietrechtsschutz

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einmal niederzulassen, sollte über eine „Niederlassungsklausel“ nachdenken, die spezielle Streitfragen im Zusammenhang mit einer eigenen Praxis berücksichtigt.

Rentenversicherung und Ärztliches Versorgungswerk

Gerade für Berufsanfänger ist es ein leidiges Thema – die Rente. Sie liegt noch in weiter Ferne und erscheint unberechenbar. Doch genau deshalb ist es umso wichtiger sich gut abzusichern.

Sobald man in den Beruf als Ärztin oder Arzt in Weiterbildung startet, ist man in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) automatisch gemeldet. Außerdem muss man sich im sogenannten Ärztlichen Versorgungswerk (ÄVW) des jeweiligen Bundeslandes melden. Das ÄVW zählt zu den Berufsständischen Versorgungswerken und unterhält eine Rentenversicherung nur für Ärzte. Ein weiterer Baustein des Ärztlichen Versorgungswerks ist die inkludierte, jedoch unzureichende Berufsunfähigkeitsversicherung, die erst ab einer BU von 100 Prozent wirksam wird.

Um Doppelbeiträge zu vermeiden, kann man sich schriftlich aus der GRV befreien lassen. Dieser Antrag muss bei jedem Arbeitsplatzwechsel neu gestellt werden. Durch das Beitragssystem und die Mitgliederstruktur des ÄVW kann man im Schnitt eine höhere Rente als in der GRV erwarten. Trotzdem stellt sie lediglich eine Grundversorgung dar und eine private Altersvorsorge ist unabdinglich, beispielsweise durch langfristig angelegte Sparverträge, Mieteinnahmen oder Aktien.

Berufsunfähigkeit

Möchte man sich als Arzt oder Ärztin gegen eine Berufsunfähigkeit absichern, ist der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung empfehlenswert. Hierbei gibt es viele verschiedene Modelle. Manche Varianten sind auch gekoppelt mit einer privaten Altersvorsorge. Wichtige Aspekte beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind:

● Der Schutz sollte bereits ab einer Berufsunfähigkeit von weit weniger als 100 Prozent eintreten.

● Die „abstrakte Verweisung“, also die Möglichkeit einem anderen als dem Arztberuf nachzugehen, sollte ausgeschlossen sein.

● Es sollte geregelt sein, wie viel zusätzlich zur BU-Rente verdient werden darf (beispielsweise durch Gutachtertätigkeiten, Dozententätigkeit).

Die Versicherungssumme sollte etwa 80 bis 90 Prozent des Nettoeinkommens betragen. Und: Je früher eine BU abgeschlossen wird, desto günstiger ist der Tarif, da eine Gesundheitsprüfung durchgeführt wird.

Haftpflicht

Wichtige Aspekte beim Abschluss einer Haftpflichtversicherung sind:

● Versicherung im Fall von geschädigten Personen Behandlungs- und Bergungskosten sowie Kosten durch Verdienstausfall

● Versicherung bei Reparatur oder Ersatzleistungen beschädigter Gegenstände

● Versicherung bei entstandenen Kosten durch einen Nutzungsausfall

● Liegt ein unbegründeter Schadensersatzanspruch vor, fungiert die Haftpflicht als „passiver Rechtsschutz“ und trägt Anwalts- und Gerichtskosten.

Achtung: Vorsätzliches Handeln ist hierbei nie mit abgedeckt, grob fahrlässiges Handeln kann in die Versicherungspolice mit aufgenommen werden.

Unfall

Wichtige Aspekte beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung sind:

● Progression von mindestens 500 Prozent (stärkere Invaliditätsgrade werden überproportional entschädigt)

● Medizinertarif (höhere Gliedertaxe zum Beispiel für die Finger und Hand)

● Keine Anrechnung von Vorschäden (Mitwirkungsanteil)

● Strahlenschäden

● Tauchunfälle

● Bewusstseinsstörungen durch Herzinfarkt, Schlaganfall, Medikamente, die zu einem Unfall führen

● Unfall bei Rettung von Personen

● Verletzung durch Eigenbewegung (ohne äußere Einwirkung, zum Beispiel Umknicken beim Joggen)

● Erhöhte Kraftanstrengung mit folgenden Knochenbrüchen, Hernien, Muskeln-/Sehnenverletzungen (Bandscheibenvorfälle sind nie mitversichert)

● Wundinfektionen, allergische Reaktionen, Inhalationsschäden

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