ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2018Bronchiolitis bei Kleinkindern: High-Flow-Sauerstofftherapie vermeidet Eskalierung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bronchiolitis bei Kleinkindern: High-Flow-Sauerstofftherapie vermeidet Eskalierung

Dtsch Arztebl 2018; 115(14): A-653 / B-566 / C-567

Meyer, Rüdiger

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Foto: dpa
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Kleinkinder mit Bronchiolitis profitieren von einer High-Flow-Sauerstofftherapie, die nach Anwärmung und Befeuchtung der Atemluft eine deutlich erhöhte Sauerstoffgabe ermöglicht. So lässt sich im Vergleich zur Standardbehandlung eine Eskalierung der Therapie eher verhindern. Die Dauer der Sauerstofftherapie und des stationären Aufenthaltes sind allerdings dadurch nicht verkürzt.

Die Bronchiolitis ist eine meist viral bedingte Entzündung der kleinen Atemwege und weltweit der Hauptgrund unspezifischer Klinikeinweisungen von Kleinkindern.

Die Behandlung fußt im wesentlichen auf Atemunterstützung und Aufrechterhaltung der Hydratisierung. Um eine Hypoxämie zu vermeiden, erhalten die Kleinkinder über eine Nasensonde O2. Die Dosis ist jedoch auf etwa 2 l/min beschränkt, da bei höheren Gasflüssen die Austrocknung und damit eine Schleimschädigung droht.

Diese Nachteile vermeidet die High-Flow-Sauerstofftherapie mittels Anfeuchtung und Erwärmung. Neonatologen an 17 Kliniken in Australien und Neuseeland haben in einer randomisierten Studie beide Strategien miteinander verglichen. Insgesamt 1 472 Kleinkinder (Alter ≤ 1 Jahr) nahmen teil. Sie waren wegen einer klinisch diagnostizierten Bronchiolitis eingewiesen worden, benötigten aber nicht sofort eine intensivmedizinische Therapie. Eine 1. Gruppe erhielt über eine Nasensonde 2 l O2/min, eine 2. die High-Flow-Sauerstofftherapie mit 2 l/kg KG.

Als primärer Endpunkt galt die Eskalierung der Therapie. Kriterien hierfür (mindestens 3 von 4) waren eine nicht verringerte Herz- oder Atemfrequenz, ein zu hoher Sauerstoffbedarf (≥ 40% Sauerstoffanteil für eine Sättigung von mindestens 92 %) oder ein sonstiger, alarmierender Zustand.

Die Eskalation war in der High-Flow-Gruppe nur bei 87 von 739 Patienten (12 %) nötig, in der Standardgruppe jedoch bei 167 von 733 Kindern (23 %). 

Wie das Team um Andreas Schibler vom Lady Cilento Children’s Hospital in Brisbane berichtet, betrug die „Number needed to treat“, die Anzahl Kinder, die behandelt werden müssen, um eine Eskalierung zu vermeiden, 9 (7–14). Das spricht für einen hohen klinischen Nutzen. Die Therapie erwies sich als sicher, in den Gruppen kam es jeweils bei einem Kind zu einem Pneumothorax.

Fazit: Schibler zeigt sich von der High-Flow-Sauerstofftherapie überzeugt. Die australischen Pädiater testen sie bereits bei älteren Kindern. Jedoch verkürzte sich weder der Kranken­haus­auf­enthalt noch die Dauer der Sauerstofftherapie. Kosten ließen sich den Autoren zufolge dennoch dann sparen, wenn eine Intensivtherapie vermieden würde, was allerdings in der Studie nicht sicher belegt werden konnte.

  1. Franklin D, et al.: A Randomized Trial of High-Flow Oxygen Therapy in Infants with Bronchiolitis. NEJM 2018; 378. 1121–31.

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