ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2018Mortalitätsrisiko bei COPD: Neue GOLD-Klassifikation auf dem Prüfstand – Sie bleibt relevant für die Therapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mortalitätsrisiko bei COPD: Neue GOLD-Klassifikation auf dem Prüfstand – Sie bleibt relevant für die Therapie

Dtsch Arztebl 2018; 115(14): A-651 / B-564 / C-565

Vetter, Christine

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Foto: zlikovec/stock.adobe.com
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Ob die neue GOLD-Klassifikation (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) Vorteile für die Abschätzung des Mortalitätsrisikos bringt, wurde in einer Kohortenstudie geprüft. In der Klassifikation ist die Vierfeldertafel ABCD erhalten geblieben. Aber die für die Pharmakotherapie entscheidende Einteilung erfolgt ohne Berücksichtigung der Lungenfunktion.

Die Erhebung umfasste 33 765 Patienten des dänischen COPD-Registers, die zwischen 2008 und 2013 ambulant behandelt worden waren. Es wurde die Gesamtmortalität in Abhängigkeit von der GOLD-Klassifikation ermittelt und in einer Subgruppe von 22 621 Patienten auch die respiratorische Mortalität.

Legt man die GOLD-Klassifikation 2017 zugrunde, so nahm die 3-Jahres-Mortalität mit der Exazerbationshäufigkeit und der Dyspnoe von Gruppe A (Gesamtmortalität: 10,0 %, respiratorische Mortalität: 3,0 %) bis Gruppe D zu (Gesamtmortalität: 36,9 %, respiratorische Mortalität: 18,0 %). Allerdings war die 3-Jahres-Mortalität in Gruppe B (Gesamtmortalität: 23,8 %, respiratorische Mortalität: 9,7 %) höher als in Gruppe C (Gesamtmortalität: 17,4 %, respiratorische Mortalität: 6,4 %). Verglichen mit Gruppe A ergab sich eine Hazard Ratio (HR) der Gesamtmortalität von 2,05 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,87; 2,26]), für Gruppe B betrug die HR 1,47 [1,31; 1,65] und für Gruppe C und D 3,01 [2,75; 3,30].

Die Fläche unter der Kurve (AUC) für die Gesamtmortalität betrug 0,61 [0,60; 0,61]) bei der GOLD-Klassifikation 2007, ebenfalls 0,61 [0,60; 0,62] bei der GOLD-Klassifikation 2011 und 0,63 [0,53; 0,73] bei der GOLD-Klassifikation 2017. Bei der AUC für die respiratorische Mortalität lagen die Werte entsprechend bei 0,64, bei 0,63 und bei 0,65. Wurden allerdings die Patienten in Abhängigkeit von ihrer Lungenfunktion in 16 Subgruppen unterteilt, so war die Mortalität durch die neue Klassifikation besser vorherzusagen als mit den früheren (p < 0,0001).

Fazit: „Die GOLD-Klassifikation ist nicht konzipiert worden, um das Mortalitätsrisiko von Patienten mit COPD abschätzen zu können“, gibt Professor Dr. Claus Franz Vogelmeier, Direktor der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie am Universitätsklinikum Marburg, zu bedenken. „Ziel der Entwicklung der Vierfeldertafel war es vielmehr, eine auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittene Pharmakotherapie zu definieren. Hierzu sind die Symptome sowie die Exazerbationshäufigkeit von entscheidender Bedeutung.“ Die aktuelle GOLD-Klassifizierung erlaube damit eine Kategorisierung der Patienten in ein Raster mit direkten Konsequenzen für die Behandlung. „Dass bei der Mortalität der Patienten keine deutlichen Unterschiede zu sehen sind, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich“, so Vogelmeier. „Es ändert nichts daran, dass die GOLD-Klassifikation relevant und für die Patienten und ihre Therapie bedeutsam ist.“ Klinische Relevanz haben die nun vorgelegten Studiendaten aus seiner Sicht nicht.

Gedebjerg A, Szépligeti S, Wackerhausen L, et al.: Prediction of mortality in patients with chronic obstructive pulmonary disease with the new Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease 2017 classification; a cohort study. Lancet Respir Med 2018; 6: 204-12.

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