ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2018Randnotiz: Flucht aus dem Krankenbett

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Randnotiz: Flucht aus dem Krankenbett

Dtsch Arztebl 2018; 115(14): A-621 / B-543 / C-543

Maybaum, Thorsten

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Karl ist 90 Jahre alt und macht zum ersten Mal im Leben Yoga – vom Sofa aus. Sein Zimmer im betreuten Wohnen muss er dazu nicht verlassen: Eine Virtual-Reality-(VR)Brille bringt ihn auf eine grüne und blühende Wiese, auf der ihm ein Coach gegenübersitzt. Klingt verrückt – ist aber Realität und Teil eines Projektes eines Start-ups der Universität Hohenheim. Dies entwickelt virtuelle Entspannungs-, Bewegungs- und Atemübungen speziell für kranke, demente oder bettlägerige Menschen. Ein Fokus wird derzeit auf Krebspatienten und Patienten in der Schmerztherapie gelegt. Geplant ist der Einsatz in der Orthopädie, bei Querschnittspatienten und in der Palliativmedizin. Anders VR, so der Name des Start-ups, will Betroffenen die Möglichkeit geben, mit 360-Grad-Aufnahmen für eine gewisse Zeit dem Krankenzimmer zu entfliehen. Derzeit arbeiten die Initiatoren daran, die Anwendung möglichst gut in bestehende Abläufe im Krankenhaus zu integrieren. Und künftig wollen sie die Programme, die hinter der VR-Brille laufen, personalisieren. Attraktiv für Demenzkranke könnten den Initiatoren zufolge Inhalte sein, bei denen diese an ihre Biografie anknüpft. Ein Patient aus Norddeutschland könnte zum Beispiel einen Film am Strand zu sehen bekommen. Für Demenzkranke hat das Start-up einen „VR Demenzhut“ entwickelt. Dabei wird die VR-Brille in einen Hut integriert, was die derzeit größten Hürden im Demenzbereich – nämlich den Menschen die Brille aufzusetzen – deutlich vereinfachen soll. Tolle Ideen, die das Bundeswirtschaftsministerium sowie der Europäische Sozialfonds mit 145 000 Euro fördern.

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