ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2018Notfallmedizin: Auf Normalmaß bringen

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Notfallmedizin: Auf Normalmaß bringen

Dtsch Arztebl 2018; 115(14): A-659 / B-567 / C-568

Wenderlein, J. M.

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Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) bemüht sich seit 2015 um ein gestuftes Notfallkonzept. Eine Regelung für Krankenhäuser ist weiter kaum in Sicht. Nach drei Jahren ist nicht klar, wie solche Notfallstufenkonzepte zur Notfallversorgung aussehen sollen, die sich an den einzelnen klinischen Disziplinen orientieren müssten.

Bei Patienten mit Polytrauma ist die Situation schon jetzt klar: schnellstmöglicher Transport ins nächste Krankenhaus der Maximalversorgung.

Doch mehrheitlich sind Notfalleinweisungen nicht so klar. Die nächstgelegene Klinik hat zügig zu klären, ob ein Notfall vorliegt und bei Bestätigung ist sofort zu handeln. Muss der Patient zuvor ein „System“ durchlaufen, das Zeit beansprucht, und es kommt zu vermeidbaren Schäden, dann werden Gerichte fragen, warum nicht sofort behandelt wurde.

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Notfalleinstufungen setzen hohe klinische Kompetenz voraus. Diese zu gewährleisten wäre ein realistischerer Auftrag an den G-BA.

Davor wäre die missbräuchliche Nutzung von Notfalleinrichtungen seitens der Patienten zu klären, was zu Engpässen führt. Dazu eigene Erfahrungen in zwei Hochschulambulanzen im Klinikeingangsbereich, über die alle Notfälle liefen: Die Zahl der „Notfälle“, die gar keine Notfälle waren, nahm stetig zu.

Dazu folgender „harter“ Parameter: In acht Jahren haben sich die Krankenkassenausgaben für Rettungswageneinsätze verdoppelt auf über zwei Milliarden Euro. Dafür gibt es kaum rationale Gründe und es bestätigt die zunehmende Anspruchshaltung der Patienten. Weshalb sollten in so kurzer Zeit Notfälle mit Rettungswageneinsätzen so zugenommen haben?

Wird das wieder auf ein Normalmaß zurückgebracht, dann würde eine Milliarde Euro frei für Fortbildung in Notfallmedizin für alle medizinischen Disziplinen samt ärztlichen Praxen. Dann gäbe es weit weniger Engpässe in der Notfallversorgung.

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