ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Konfliktfeld Palliativversorgung
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Ich begrüße, dass der brisante Konflikt „Ökonomie versus ethische/ärztliche Verantwortlichkeit“ vom Deutschen Ärzteblatt in die öffentliche Diskussion gebracht wird (1). Ein meines Erachtens weiteres Konfliktbeispiel ist die vernachlässigte Implementierung palliativmedizinischer Versorgungsstrukturen in den bundesdeutschen Kliniken und Pflegeheimen:

Im November 2015 wurde das „Hospiz- und Palliativgesetz“ (2), am Tag danach das „Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“ (3) vom deutschen Bundestag verabschiedet – Palliativmedizin und Hospizarbeit also als „alternatives Angebot“ des Gesetzgebers für schwerstkranke Menschen statt geschäftsmäßiger Sterbehilfeangebote. Das Gesetz sollte für eine „flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland durch gezielte Maßnahmen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und der sozialen Pflegeversicherung“ sorgen und „Anreize zum weiteren Auf- und Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung“ setzen, die „die Palliativversorgung und Hospizkultur in stationären Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern […] stärken (2).“ Leider wurde damals aber versäumt, konkrete Vorgaben beziehungsweise Anforderungen für die Krankenkassen, die Krankenhäuser und die Pflegeeinrichtungen sowie für eventuelle Finanzierungsmöglichkeiten zu formulieren. 2018 stellt sich die Situation zumindest in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen nicht anders dar als vor der Verabschiedung des Gesetzes 2015. Es gibt nur in den wenigsten Kliniken oder Pflegeheimen Strukturen zur palliativmedizinischen Versorgung. Der Grund dafür ist, dass sie sich wirtschaftlich nicht rechnen. Die Kosten für die Träger sind hoch und die Erlöse zu gering.

Eine regelhafte palliativmedizinische Versorgung bedeutete gesamtgesellschaftlich wahrscheinlich sogar eine Kosteneinsparung, weil kostspielige Operationen, Chemo- und Immuntherapien oder intensivmedizinische Maßnahmen mit zum Teil fragwürdigen Indikationen vermutlich zum Teil unterlassen würden; den unmittelbaren Krankenhausträgern würde dies aber möglicherweise ökonomischen Schaden zuführen, da gewinnbringende Prozeduren eher beendet beziehungsweise gar nicht erst durchgeführt würden.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0266a

Dr. med. Franz Fehlings

Freiburg

Franz.Fehlings@rkk-klinikum.de

1.
Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT
1.Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT
2.dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/051/1805170.pdf
3.dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/053/1805373.pdf

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