ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Profite von Gesundheitskonzernen begrenzen
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Die verschiedenen Wahrnehmungen der Wirklichkeit eines Krankenhauses – jeweils aus der Perspektive von Geschäftsführern und Chefärzten – wären einen erkenntnistheoretischen Exkurs wert, wenn nicht folgende Wirklichkeit für nicht zu diskutierende Fakten sorgen würde: Der Geschäftsführer ist Vorgesetzter des Chefarztes und nach dem bekannten Prinzip „Ober schlägt Unter“ ist seine Sicht der Dinge bindend für den Chefarzt.

Und die Sichtweise des Geschäftsführers ist eindeutig durch das Kriterium des Profits und der Gewinnmaximierung geprägt, deutlich zweitrangig ist ärztliche Ethik, die sich um Qualität der geleisteten ärztlichen Arbeit und um das Wohlergehen des Patienten zu sorgen hat.

Wenn also ein Geschäftsführer zum Beispiel gegen den dringenden Rat aller seiner Chefärzte Intensivkapazitäten reduziert, um Kosten zu sparen, dann gefährdet er Patienten. Wenn er Personal, sowohl in Pflege als auch im ärztlichen Bereich kürzt, dann gefährdet er Patienten. Wenn aber ein durch solche Entscheidungen maßgeblich verursachter Behandlungsfehler juristische Konsequenzen hat, wird nach aktueller Rechtsprechung meist der Chefarzt angeklagt und eben nicht der Geschäftsführer, schon gar nicht der Bereichsleiter des Gesundheitskonzerns, der wiederum zuvor den Geschäftsführer des Hauses unter Druck gesetzt hatte, schon gar nicht Vorstandsmitglieder eines börsennotierten Gesundheitskonzerns, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für „ihre“ Krankenhäuser zwingend festlegen.

Ich halte nach meinen Erfahrungen die in dem Beitrag von Wehkamp und Naegler (1) getroffenen Schlussfolgerungen noch für viel zu zurückhaltend formuliert. Leitende Ärzte müssen in ihren ärztlichen Entscheidungen unabhängig bleiben und benötigen im jetzigen System deutlich mehr Schutz – die Politik muss darauf reagieren! Der Profit, den Krankenhausträger aus den Krankenhäusern erwirtschaften, muss begrenzt bleiben.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0267a

Der Name des Autors ist der Redaktion bekannt.

1.
Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT
1.Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT

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