ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018So darf es nicht weitergehen
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Der Redaktion ist zu danken, dass ein in offiziellen Verlautbarungen sowohl von Ärztevertretern als auch von Gesundheitspolitikern gern unter den Teppich gekehrtes Problem thematisiert und damit auf eine rationale Ebene verlagert wird: die zunehmende und – meines Erachtens – inzwischen unerträgliche Öko­nomi­sierung der stationären Medizin. Die Ergebnisse der Studie von Wehkamp und Naegler (1) überraschen Insider nicht – wie übrigens auch nicht die private Finanzierung der Studie durch die beiden Autoren (siehe Interessenkonflikt im Kleingedruckten).

Die in den Arztinterviews genannten „betriebswirtschaftlich motivierten Aufforderungen“ wird jeder heute in Deutschland außeruniversitär tätige Chefarzt aus bitterer eigener Erfahrung bestätigen können.

Ich selbst (inzwischen Gott sei Dank im Regelpensionsalter) war von 1997–2013 als Chefarzt an verschiedenen kommunalen und konfessionellen Krankenhäusern tätig und kann das Fazit von Köbberling im Editorial (2) zu der oben genannten Studie nur unterstreichen: „So darf es nicht weitergehen!“. Nicht nur die Politik, sondern auch die organisierte Ärzteschaft darf sich diesem offenkundigen Konflikt nicht weiter verschließen.

Wenn nicht wir älteren Ärzte, die den heute zwar pathetisch klingenden, aber meines Erachtens noch nie so notwendig zu erinnernden Grundsatz „salus aegroti suprema lex“ unserer akademischen Lehrer internalisiert haben, aufrufen zum kritischen Diskurs, wer dann? Die nächste Generation, die im DRG-Zeitalter aufgewachsen ist, wird es nicht tun. Zum Schaden der Patienten, heutiger und künftiger.

Es ist menschlich verständlich und nachvollziehbar, dass man als noch aktiver Chefarzt im Zweifel geneigt ist zu schweigen, weil „ein offenes Ansprechen der Problematik für manche Ärzte auch mit wirtschaftlichen Risiken verbunden ist“ (2). Das ist höflich formuliert, aber umschreibt exakt den Kern des ärztlichen Problems.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0267b

Prof. Dr. med. Ulrich Krause

Rödental/Kreis Coburg

ulrichcfwk.uk@gmail.com

1.
Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT
2.
Köbberling J: Economic pressure in hospitals—profound disagreement over priorities between doctors and managers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 795–6 VOLLTEXT
1.Wehkamp KH, Naegler H: The commercialization of patient-related decision-making in hospitals—a qualitative study of the perceptions of doctors and chief executive officers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 797–804 VOLLTEXT
2.Köbberling J: Economic pressure in hospitals—profound disagreement over priorities between doctors and managers. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 795–6 VOLLTEXT

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