ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2018Reform der Psychotherapieausbildung: Sachliche Forderungen

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Reform der Psychotherapieausbildung: Sachliche Forderungen

PP 17, Ausgabe April 2018, Seite 145

Bühring, Petra

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Nachdem die neue Bundesregierung nun endlich am Start ist, kann die parlamentarische Arbeit beginnen. Erwartet wird, dass das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) nach dem im Sommer 2017 vorgelegten Arbeitsentwurf für ein „Psycho­therapeuten­ausbildungs­reform­gesetz“ einen Gesetzentwurf folgen lässt. Schließlich findet sich im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD der wichtige Satz, dass die Novellierung der Ausbildung „zügig abgeschlossen werden soll“. Die Anhörungen zu dem Gesetzentwurf versprechen, spannend zu werden, denn schon der Arbeitsentwurf des BMG hat hohe Wellen geschlagen, aufseiten der Psychotherapeutenverbände und auch aufseiten der Ärzte – wenngleich aus anderen Gründen. Erinnert sei an die Zuspitzungen Ende vergangenen Jahres aus den Reihen des Spitzenverbands der Fachärzte und des Bundesverbands Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, die eine Reform der Ausbildung rundweg abgelehnt haben. Diese Stimmen sind verklungen.

Die oberste berufsrechtliche Vertretung der Ärzte, die Bundes­ärzte­kammer (BÄK), hatte sich lange nur zur Frage der Modellstudiengänge Psychopharmakologie aktiv in die Diskussion zu dem Arbeitsentwurf eingebracht. Diesen Vorschlag lehnt die Ärzteschaft eindeutig ab. Auf diversen Fachtagungen und in Gesprächen wurde indes deutlich, dass die BÄK weitere Nachwuchsprobleme bei den ärztlichen Psychotherapeuten befürchtet, sollte das Gesetz realisiert werden. Auch werden die künftigen neuen Psychotherapeuten – oder wie auch immer die Berufsbezeichnung lauten wird – als Konkurrenz um die Weiterbildungsstellen im stationären Bereich betrachtet. Beides ist nicht von der Hand zu weisen, darf aber einer Reform, die noch viel größere Probleme für die Psychotherapeuten beheben muss (fehlende Finanzierung, ungleiche Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung) nicht im Wege stehen.

Zu begrüßen ist deshalb, dass die Bundes­ärzte­kammer in einer Stellungnahme sehr sachlich die Punkte benennt, bei denen sie Nachbesserungsbedarf sieht. Die aber auch sehr deutlich macht, dass die Ärzteschaft eine Psychotherapieausbildungsreform grundsätzlich für notwendig hält, um die Zugangsvoraussetzungen und die Qualifikationswege akademischer Heilberufe zu vereinheitlichen, und um die finanzielle Situation der Ausbildungsteilnehmer zu verbessern. Geändert werden sollten nach Ansicht der BÄK unter anderem folgende Punkte: Im grundständigen Bachelor sollten statt Psychotherapie allein besser Psychologie und Nachbardisziplinen als grundlegende Wissenschaften vermittelt werden. Damit schließt sich die BÄK einer Forderung des Wissenschaftsrats und auch der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an. Das Masterstudium der Psychotherapie sollte nach Ansicht der BÄK zudem umfangreichere praktische Ausbildungsanteile umfassen, als bisher vorgesehen: Pflichtpraktika während des Masters und ein Praktisches Jahr zwischen Masterabschluss und Staatsexamen. Nur dann sei die vorgesehene Approbation vertretbar. Eine umfangreichere praktische Ausbildung fordert aktuell auch die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung. Die Diskussion ist also im vollen Gange – jetzt fehlt nur noch der Gesetzentwurf.

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