ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2018Pflegebedürftigkeit: Psychotherapie für pflegende Angehörige

Referiert

Pflegebedürftigkeit: Psychotherapie für pflegende Angehörige

PP 17, Ausgabe April 2018, Seite 179

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Rund 73 Prozent der 2,9 Mio. Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause durch Angehörige oder andere nahestehende Personen versorgt und betreut. Die Mehrzahl der pflegenden Angehörigen ist weiblich, mindestens 55 Jahre alt und pflegt ihre hochbetagten Eltern, Verwandten oder Lebenspartner. Positive Aspekte der Pflege sind beispielsweise persönliches Wachstum, die Verbundenheit mit dem Gepflegten oder die Möglichkeit, durch die Pflege etwas zurückzugeben. Zu den negativen Aspekten zählen Überforderung, depressive Symptome und Erschöpfungszustände. Laut den Psychologen Gabriele Wilz von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und Klaus Pfeiffer vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart nimmt ein Teil der hoch belasteten Pflegenden mit klinisch auffälligen Symptomen psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch. Für viele pflegende Angehörige sind Gespräche mit Therapeuten jedoch ungewohnt und können Unsicherheit, Versagensgefühle und Scham auslösen. Um dem entgegenzuwirken, sollten die Angehörigen von Therapeuten als Pflegeexperten betrachtet, ihre Belastungssituation gewürdigt und die Pflegeleistung wertgeschätzt werden. Psychotherapeutische Begleitung kann hilfreich sein beim Umgang mit problematischen Alltagssituationen, belastenden Emotionen und zur Stärkung von Ressourcen. Hierbei kommen multimodale Interventionen zum Einsatz, die auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und der Acceptance- und Commitment-Therapie zurückgreifen.

Als Interventionen kommen beispielsweise Wissensvermittlung (Psychoedukation), Verhaltensanalyse, Problemlösetraining, Stressmanagement und kognitive Umstrukturierung infrage. Sie helfen den pflegenden Angehörigen zum Beispiel dabei, nicht veränderbare Beeinträchtigungen zu akzeptieren, sich mit Sterben und Tod auseinanderzusetzen, lähmende und entmutigende Gedanken zu verändern, Emotionen zu regulieren und Prioritäten zu setzen. Darüber hinaus werden die Angehörigen zu selbstfürsorgenden Verhaltensweisen angeregt.

Psychotherapeutische Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige haben gesundheitsfördernde Effekte, finden allerdings nur wenig Beachtung in der Versorgung. ms

Anzeige

Wilz G, Pfeiffer K: Psychotherapie mit älteren pflegenden Angehörigen. Nervenarzt 2017; 88 (11): 1246–51

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema