ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018W. C. Röntgen: Private Fotos des Nobelpreisträgers der Physik

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W. C. Röntgen: Private Fotos des Nobelpreisträgers der Physik

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-716 / B-618 / C-618

Vesper, Johannes

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W. C. Röntgen war nicht nur Nobelpreisträger, sondern auch ein passionierter Wanderer, Jäger und Fotograf. Einen Einblick in bisher unbekannte private Fotos des Physikers aus der Zeit von 1890 bis 1913 zeigt der jetzt vorgelegte Fotoband „Wilhelm Conrad Röntgen – Photographien/Photographs“. Neben Bildern von seinen Wanderungen und Szenen in den Schweizer Alpen gibt das Buch auch Einblicke in Röntgens Reisen nach Italien und Holland: „Das Reisen, und namentlich das Reisen in Italien, gehört zu den wirksamsten Bildungsmitteln.“ Jedes Jahr im Frühjahr machte Röntgen sich auf nach Florenz, Rom, Sorrent und an andere Orte und mit vier Wochen Wanderurlaub in den Bergen um Pontresina verlängere sich sein Leben jeweils um ein Jahr, war er überzeugt.

Die Bilder des Bandes stammen aus dem umfangreichen Archiv des 1932 in Lennep gegründeten Deutschen Röntgenmuseums, das eine weltweit einzigartige Quelle zur Biografie des Forschers darstellt. Röntgen fotografierte zunächst mit der Plattenkamera, später auch mit der Stereokamera. Die große und unhandliche Plattenkamera erforderte ein Stativ, wodurch bevorzugt statische Landschafts- oder auch Städteaufnahmen, inszenierte Gruppen- oder Porträtaufnahmen entstanden. Touristische Ziele wurden seltener aufgenommen. Bei exzellenter Optik der Kamera und großen Negativplatten überraschen Schärfe und Zeichnung der Aufnahmen nach wie vor. Das Foto von Familie und Freunden von 1891 zeigt jedes Barthaar und alle Einzelheiten der plastischen Rinde der Bäume. Jede Mooszeichnung auf den Steinen entfaltet ihre eigene visuelle Wirkung. Die Inszenierung der Fotos von Personen erforderte natürlich Mitarbeit, Geduld und Interesse der Fotografierten. Das undatierte Foto von Berta Röntgen mit der später adoptierten Pflegetochter und den beiden im Puppenwagen aufgestellten Puppen ist alles andere als ein Schnappschuss. Und die vier Wanderer mit ihren zwei Begleiterinnen in Kleidern auf dem weißen Gletscher von 1900 werden ihre Zeit benötigt haben, bis sie so auf die Platte gebannt waren. Die Aufnahme der eleganten Eisläufer in Davos hat diese wie den Fotografen sicher herausgefordert. Die Fotos zeigen darüber hinaus ländliche Szenen mit Heuwagen, die von Bäuerinnen mit der Heugabel entladen werden, sowie Plätze in Zürich und anderswo – zeitgemäß ohne jedes Auto. Sie geben so Aufschluss über das Leben und die gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit, in der sie entstanden sind. Johannes Vesper

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Deutsches Röntgen-Museum Remscheid, Thomas G. Halbach (Hrsg.): Wilhelm Conrad Röntgen – Photographien/Photographs. Bergischer Verlag, Remscheid 2017, 160 Seiten, gebunden, 39,90 Euro

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