ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Betriebliche Gesundheit: Fallmanager gegen Muskelschmerz

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Betriebliche Gesundheit: Fallmanager gegen Muskelschmerz

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-690 / B-596 / C-596

Beerheide, Rebecca

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Selbstmanagement oder Betreuung durch einen Fallmanager der Kasse? Diese beiden Versorgungskonzepte untersuchen einige BKK-Krankenkassen. Auch schwer erkrankte Patienten bekommen Unterstützung.

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind bei Versicherten der Betriebskrankenkassen der Hauptgrund für Fehltage. Um hier frühzeitig zu intervenieren, hat der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) zusammen mit 15 Mitgliedskrankenkassen und 19 dazugehörigen Betrieben das Projekt „BMG innovativ“ beim Innovationsfonds eingereicht. In der ersten Förderwelle hat es im Bereich „neue Versorgungsformen“ den Zuschlag bekommen. Mit dem Projekt können nach Angaben des BKK-Dachverbandes 40 000 bis 50 000 Versicherte erreicht werden, die an 30 betrieblichen Standorten in 20 Städten arbeiten.

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Foto: seb ra/iStockphoto
Foto: seb ra/iStockphoto

Damit Mitarbeiter aus verschiedenen Stadien der Erkrankung in das Projekt einbezogen werden können, gibt es drei Module: Modul A soll Versicherte mit subchronischen Beschwerden im Muskel-Skelett-Bereich ansprechen. Als Prävention der Chronifizierung der Schmerzen gibt es ein individuelles Training der betroffenen Muskelgruppen. Das Training koordiniert je nach Betrieb ein Fallmanager der Krankenkasse. Versicherte können sich das Training ebenso selbst organisieren. „Den Erfolg des Projekt messen wir anhand des Vergleichs zweiter Versorgungskonzepte. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob das von uns entwickelte Konzept eines koordinierenden Fallmanagers einem unterstützenden Selbstmanagement überlegen ist“, erklärt Thomas Moormann, Projektleiter beim BKK Dacherband.

Im Modul B gibt es eine enge Kooperation mit den zwölf Rentenversicherungsträgern, die eine oftmals arbeitplatzbezogene Rehamaßnahme benötigen. Hier geht es auch um die Unterstützung beim Reha-Antrag. Hohe Ablehnungsqouten sollen reduziert werden.

Sind Versicherte bereits mit schweren Muskel-Skelett-Erkrankungen in Behandlung und haben Arbeitsunfähigkeiten von mehr als sechs Wochen, können sie am Modul C teilnehmen. Da nach der Erfahrung der Betriebskrankenkassen in einigen Fällen auch der Arbeitsplatz gefährdet ist, soll in Gesprächen geklärt werden, in welchem Umfang und an welchem Ort der Versicherte im Betrieb künftig eingesetzt werden kann. Bei diesen Gesprächen wird ein Fallmanager sowie die zuständigen Arbeitsmediziner dazu gezogen, auch der Betriebsrat werde involviert.

Für das Projekt, für das sich inzwischen 300 Versicherte eingeschrieben haben, wurden Abläufe standardisiert. Die Schulung der Fallmanager betonte aber die individuelle Situation jedes einzelnen Versicherten, so der BKK Dachverband. „BGM-innovativ ist für mich ein Vorzeigeprojekt, denn es vernetzt die Akteure sogar über die sonst sehr starren Grenzen der Sozialversicherungszweige hinweg“, erklärt Franz Knieps, Vorsitzender des BKK Dachverbandes dem Deutschen Ärzteblatt. „Wir leiten in enger Zusammenarbeit von BKK-Fallmanagern und Betriebsärzten die optimale arbeitsplatzbezogene und individuell zugeschnittene Versorgung ein“, so Knieps weiter.

Von den 300 Teilnehmern nehmen rund 80 Prozent am Modul A teil. Die Intervention wird im August 2020 beendet. „Ist das Projekt erfolgreich, möchten wir es auf andere Indikationen wie zum Beispiel psychische Erkrankungen sowie andere Interventionsformen und weitere Betriebsstandorte ausweiten“, erklärt Moormann. Rebecca Beerheide

BGM-innovativ

Ziel: Bei gefährdeten und erkrankten Beschäftigten mit Einschränkungen im Bewegungsapparat die Krankheit beziehungsweise ihre Chronifizierung vermeiden

Förderung: 3,74 Millionen Euro

Projekt/Konsortialpartner: BKK Dachverband mit BKK Akzo Nobel Bayern, BMW BKK, BKK Freudenberg, BKK KBA, BKK Mahle, pronova BKK, BKK PwC, Novitas BKK, BKK Public, BKK Salzgitter, Siemens-Betriebskrankenkasse, SKD BKK, TUI BKK, VIACTIV Krankenkasse, Wieland BKK. Evaluation durch die Universität Köln.

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