ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Ärztestatistik 2017: Immer mehr angestellte Ärzte in den Praxen

POLITIK

Ärztestatistik 2017: Immer mehr angestellte Ärzte in den Praxen

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-692 / B-598 / C-599

Korzilius, Heike; Maybaum, Thorsten

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Der Trend ist ungebrochen: Die Zahl der angestellten Vertragsärzte steigt. 2017 erreichte sie mit 36 000 einen Höchstwert. Auch die Zahl der berufstätigen Ärzte hat mit 385 000 einen neuen Höchststand erreicht. Doch die Bundes­ärzte­kammer warnt: Köpfe sind nicht gleich Arbeitsstunden.

Noch nie gab es so viele berufstätige Ärzte in Deutschland wie im vergangenen Jahr. Mit 385 149 lag deren Zahl um rund 6 542 höher als im Vorjahr. Damit versorgte rein rechnerisch ein Arzt 214 Einwohner. Vor zehn Jahren kamen noch 257 Einwohner auf einen Arzt. Das geht aus der Ärztestatistik der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) für das Jahr 2017 und aktuellen Daten des Bundesarztregisters der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor.

Demnach stieg die Zahl der Krankenhausärzte um 2,1 Prozent auf 198 500. Bei den niedergelassenen Ärzten verzeichnete man einen leichten Rückgang auf 118 356 (minus 1,1 Prozent). Zugleich weist die Statistik einen deutlichen Trend aus: Immer mehr Ärzte arbeiten als Angestellte in den Praxen Niedergelassener. 2017 waren es der BÄK zufolge 36 013, knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr und fast dreimal so viele wie vor zehn Jahren. Weiter zugenommen hat auch der Anteil der Ärztinnen an den berufstätigen Medizinern in Klinik und Praxis. Er lag 2017 bei 46,8 Prozent (2016: 46,5 Prozent).

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Die Ärzteschaft altert

Die Zahlen zeigen auch, dass der demografische Wandel die Ärzteschaft eingeholt hat: So ist der Anteil der über 59-Jährigen unter den berufstätigen Ärzten auf 18,4 Prozent gestiegen (Vorjahr: 17,9 Prozent). Er liegt damit in etwa so hoch wie der der unter 35-jährigen Ärzte (18,9 Prozent). Der BÄK-Statistik zufolge gibt es unter den berufstätigen Ärzten viel mehr 50- bis 59Jährige (108 559) als 40- bis 49-Jährige (87 280). Während der Anteil der Krankenhausärzte, die jünger als 35 Jahre sind, bei 33,4 Prozent stagniert, erhöhte sich der Anteil der über 59-Jährigen auf 7,3 Prozent (Vorjahr: sieben Prozent). Bei den niedergelassenen Ärzten stagnierte der Anteil der unter 40-Jährigen bei 2,7 Prozent. Zugleich ist der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen. Die demografische Entwicklung mit steigender Krankheitslast, aber auch gestiegene Ansprüche der jüngeren Ärztegeneration an eine ausgewogene Balance zwischen Beruf, Familie und Freizeit, tragen laut BÄK dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werden. „Wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach“, warnte BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery. „Uns fehlen Arztstunden. Und wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen“, erklärte er. Die Politik dürfe bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht weiter trödeln. Bund und Länder stünden in der Pflicht, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent zu erhöhen.

Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. Dezember 2017
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. Dezember 2017
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Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. Dezember 2017

Trend zur Teilzeitarbeit

Das Bundesarztregister der KBV, dass alle Ärzte und Psychotherapeuten verzeichnet, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, unterstreicht die Kapazitätsprobleme. Der KBV zufolge nahmen im vergangenen Jahr 172 647 Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Davon waren 147 350 Ärzte und 25 297 Psychotherapeuten. Das seien zwar fast 3 000 Ärzte und Psychotherapeuten mehr als noch 2016. Angesichts des anhaltenden Trends zur Teilzeittätigkeit erhöhten sich die Behandlungskapazitäten jedoch nur um 0,2 Prozent, erklärte die KBV. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt in unserer heutigen Gesellschaft eine große Rolle“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Andreas Gassen. Er wies aber zugleich darauf hin, dass die Niederlassung als selbstständiger Arzt viele Möglichkeiten biete, all das gut unter einen Hut zu bringen.

Abgeschwächt hat sich der KBV zufolge 2017 der Zuwachs bei den Psychotherapeuten. Im vergangenen Jahr waren mit 23 717 Psychologischen Psychotherapeuten 146 mehr tätig als im Vorjahr.

BÄK-Präsident Montgomery begrüßte anlässlich der neuen Daten die im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels wie beispielsweise die Förderung von Landärzten. Dirigistische Eingriffe wie die geplante Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten für gesetzlich krankenversicherte Patienten von derzeit 20 auf 25 Stunden trügen jedoch nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen, sagte er. Statt einer Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten sei eine stärkere Flexibilisierung notwendig.

Montgomery wies darauf hin, dass niedergelassene Vertragsärzte schon jetzt durchschnittlich mehr als 50 Stunden je Woche arbeiteten. In den Krankenhäusern sei es ähnlich. Nach Erhebungen des Marburger Bundes seien 40 Prozent der Krankenhausärzte 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder Fünfte hat demnach sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden. „Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich in den Krankenhäusern und Praxen auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden.

Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017
Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017
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Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017

Für eine leichte Entlastung der Ärzte bei der Patientenversorgung sorgt die weiterhin recht hohe Zuwanderung aus dem Ausland. Nach der Ärztestatistik der BÄK ist die Zahl der Mediziner aus dem Ausland 2017 um 4 088 auf 50 809 gestiegen. Dabei stammt rund die Hälfte der ausländischen Ärzte aus den Ländern der Europäischen Union (EU). Die häufigsten Herkunftsländer sind Rumänien (4 164), Griechenland (2 777) und Österreich (2 287). „Gerade in ländlichen Regionen leisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung“, sagte Montgomery. „Wir können und sollten aber nicht versuchen, unser Fachkräfteproblem im ärztlichen Dienst durch Zuwanderung aus dem Ausland zu lösen.“ Zum einen fehlten die zugewanderten Kollegen in ihren Herkunftsländern. Zum anderen seien enorme Anstrengungen nötig, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachenkenntnisse zu prüfen. Montgomery erneuerte seine Forderung, dass Ärzte aus Staaten, die nicht der EU angehören, ein medizinisches Staatsexamen analog dem 2. und 3. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ ablegen sollten, um ihre Kenntnisse und Fähigkeiten nachzuweisen. Das solle als Voraussetzung gelten, um in Deutschland eine Zulassung als Arzt zu erhalten. Verlassen haben Deutschland nach der Ärztestatistik im vergangenen Jahr 1 965 Ärzte. Die beliebtesten Auswanderungsländer waren wie in den vergangenen Jahren die Schweiz (641), Österreich (268) und die USA (84).

Heike Korzilius, Thorsten Maybaum

Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. Dezember 2017
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Berufstätige Ärztinnen und Ärzte nach Arztgruppen zum 31. Dezember 2017
Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017
Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017
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Arztdichte in Deutschland (Einwohner je berufstätigen Arzt) 31. Dezember 2017

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