ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Typ-2-Diabetes: Chinesische Diät ändert Darmflora und senkt HbA 1c

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes: Chinesische Diät ändert Darmflora und senkt HbA 1c

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-712 / B-614 / C-615

Meyer, Rüdiger

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Foto: Maksim Shebeko/stock.adobe.com
Foto: Maksim Shebeko/stock.adobe.com

Eine ballaststoffreiche Kost mit chinesischen Heilpflanzen hat den HbA1c-Wert von Typ-2-Diabetikern innerhalb weniger Wochen gesenkt, so das Ergebnis einer randomisierten Studie (1). Das Team um Liping Zhao von der Jiao Tong Universität in Shanghai führt dies auf eine Veränderung der Darmflora zurück.

Die westliche Kost mit raffinierten Zuckern und Fetten lässt laut Zhao die Darmflora verarmen. Faserreiche Kost fördert Vielfalt und insbesondere die Ausbreitung von Bakterien, die für den Menschen sonst unverdauliche Fasern zu kurzkettigen Fettsäuren (short-chain fatty acids, SCFA) abbauen. Diese SCFA sollen zum Beispiel Entzündungen reduzieren und den Appetit kontrollieren. Ein SCFA-Mangel wird dagegen mit Diabetes Typ 2 und anderen Krankheiten assoziiert.

In der Studie sollten 14 Patienten 12 Wochen die Diätempfehlungen der Diabetesgesellschaft von China befolgen, 16 Kontrollpersonen mit Diabetes sich wie bisher ernähren. Die Teilnehmer in der Diätgruppe erhielten Dosen mit vorgefertigtem Haferbrei, weißen und roten Bohnen, gelbem Mais, Erdnuss, Yamswurzeln und Lotussamen. 3 vorgegebene „Formulierungen“ sollten nach bestimmten Regeln beim Kochen verwendet werden. Nr. 1 enthielt Beta-Glucan, Arabinoxylan, Cellulose, Hemicellulose, resistente Stärke, „Gums“ und Oligosaccharide. Nr. 2 bestand aus bitterer Melone und Oligosacchariden (auch Fructo-Oligosacchariden und Oligoisomaltosen). Nr. 3 war eine Pulverzubereitung aus Kudzustärke, Inulin und resistentem Dextrin.

Die Diät wirkte sich nach wenigen Tagen positiv auf den Blutzucker aus (wobei eine zusätzliche Behandlung mit Acarbose, das aber auch die Teilnehmer der Kontrollgruppe einnahmen, geholfen haben mag). Der HbA1c-Wert ging im Verlauf der gesamten Studienphase zurück. Am Ende hatten unter der Diät 89 % der Teilnehmer einen HbA1c von unter 7 % gegenüber nur 50 % aus der Kontrollgruppe. Zur Untersuchung der Darmflora wurden die Stuhlproben genetisch analysiert.

Fazit: Unter der Diät stieg die Genkonzentration für die bakterielle Fermentierung von Kohlenhydraten an. Diese Gene konnten einer Gruppe von 15 Bakterien zugeordnet werden, die bekanntermaßen in der Lage sind, SCFA zu produzieren. Und: Je mehr die Gene der Darmbakterien aktiv waren, desto besser der HbA1c-Wert.

Zhao sieht in den SCFA-produzierenden Bakterien eine „Gilde“, die gezielt durch Ernährung gefördert werden könnten. Dies wäre ein „ökologischer“ Ansatz für Therapie und Prävention des Typ-2-Diabetes. Wie bei allen Diäten bleibt allerdings offen, ob die Patienten bereit wären, sich dauerhaft auf feste Regeln bei der Zubereitung der Mahlzeiten einzulassen. Rüdiger Meyer

  1. Zhao L, et al.: Gut bacteria selectively promoted by dietary fibers alleviate type 2 diabetes. Science 2018; 359(6380): 1151–56.

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