POLITIK

Grippeschutzimpfung: Entscheidung für nächste Saison

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-683 / B-591 / C-591

Beerheide, Rebecca

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In der kommenden Impfsaison bezahlen Krankenkassen verbindlich den Vierfachimpfstoff gegen die saisonale Grippe. Die STIKO hatte dies im Januar empfohlen, jetzt votierte auch der Gemeinsame Bundes­aus­schuss dafür. Dem gingen Debatten in den vergangenen Wochen voraus.

In der kommenden Grippesaison gilt der Vierfachimpfstoff als verbindlich. Foto: dpa
In der kommenden Grippesaison gilt der Vierfachimpfstoff als verbindlich. Foto: dpa

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat in seiner Sitzung Anfang April den Vierfachimpfstoff bei Influenza als künftige Kassenleistung beschlossen. Damit kann in der Grippesaison 2018/2019 die Schutzimpfung mit dem entsprechenden Impfstoff erfolgen. Bislang gab es keine Regelung, dass Krankenkassen den Dreifach- oder den Vierfachimpfstoff erstatten müssen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes (RKI) hatte am 11. Januar 2018 den Vierfachimpfstoff mit den jeweils aktuellen Antigenkombinationen empfohlen. Angesichts der Intensität der diesjährigen Grippewelle wurde in den vergangenen Monaten über die Entscheidungswege des G-BA zu Grippeimpfstoffen diskutiert. So hatte der Bundestagsabgeordnete Andrew Ullmann (FDP) den G-BA als „behäbigen Klotz“ bezeichnet und die Verfahrensabläufe in dem Gremium als nicht „flexibel“ kritisiert.

In der G-BA-Sitzung wurde darauf hingewiesen, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) am 22. Februar 2018 die Entscheidung zur diesjährigen Antigenkombination getroffen hat. Da die Produktion von Impfstoffen Zeit benötigt, trifft die WHO eine Entscheidung über die Kombination der Antigene frühzeitig vor der Grippesaison.

„Die heutige Entscheidung richtet sich – anders als vielfach auch öffentlich gemutmaßt – nicht auf die Impfsaison 2017/2018, sondern auf die kommende“, stellte Prof. Josef Hecken, unparteiischer G-BA-Vorsitzender, klar. Insgesamt kritisierte er die Impfstoff-Debatte. „Viele haben sich bemüßigt gefühlt, oft auch in völliger Rechtsunkenntnis, über den Sachverhalt zu urteilen“, sagte Hecken im G-BA-Plenum.

Frühe Entscheidung unüblich

Hecken verteidigte auch die späte Entscheidung: Man habe diese nicht bereits vor vier Wochen treffen können. Zu dem Zeitpunkt sei die „Rezeptur der WHO noch gar nicht fertig“ gewesen, so Hecken. Dabei war der G-BA in seinen Entscheidungen für einen Grippeimpfstoff in den vergangenen Jahren deutlich später. Eher unbemerkt habe man bisher erst im Mai über die Entscheidung für den Impfstoff der folgenden Saison beraten. Auf Wunsch der produzierenden Unternehmen wurde schon die STIKO-Empfehlung deutlich früher getroffen, um mehr Zeit zur Produktion zu erhalten. „Wir haben die Vorlaufzeit verlängert, dafür haben wir dann die Dresche bekommen“, so Hecken. Er führt die Diskussionen der vergangenen Wochen auch auf die „närrische Zeit in der Politik“ zurück, „in der es keine Bundesregierung gab. Dies ist ja nun vorbei und die Welt wieder in Ordnung“, fügte er hinzu.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte für die Zukunft ein beschleunigtes Verfahren bei der Umsetzung von Impfempfehlungen. Zwar habe der G-BA gesetzlich gesehen drei Monate Zeit für die Umsetzung. „Die Grippevieren sind aber schneller“, so Vorstand Eugen Brysch.

Ein Dazulernen für die kommende Grippesaison forderte die Präsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Niedersachsen. „Ich begrüße ausdrücklich, dass sich ab der Impfsaison 2018/2019 auch die GKV-Versicherten regulär mit dem Vierfachimpfstoff vor einer Infektion schützen können“, sagte Dr. med. Martina Wenker. Die Lungenfachärztin erklärte weiter: „Die Probleme dieses Winters dürfen sich nicht wiederholen.“ Bundesweit sind bislang 971 Patienten durch Influenzaviren verstorben.

Das RKI hat die Wirksamkeit der Dreifachimpfungen für die diesjährige Saison mit 46 Prozent bewertet. Dies sei, berechnet an der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent, relativ gut, so das RKI.

Die Entscheidung des G-BA wird nun noch vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium geprüft und tritt mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Rebecca Beerheide

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