ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Diabetische Retinopathie: VEGF-Inhibitoren sind über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetische Retinopathie: VEGF-Inhibitoren sind über einen Zeitraum von mindestens 2 Jahren wirksam

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-711 / B-613 / C-614

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Bei der Behandlung des diabetischen Makulaödems (DMÖ), der häufigsten Ursache für akuten Sehverlust bei Diabetikern, hat durch die Einführung der VEGF-Inhibition ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Die intravitrealen Injektionen mit den 3 zur Verfügung stehenden Medikamenten Aflibercept, Ranibizumab und Bevacizumab – diese Substanz wird in der Augenheilkunde im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten off-label angewandt – haben die Laser-koagulation weithin verdrängt. Vor allem die mit Aflibercept behandelten DMÖ-Patienten hatten in der grundlegenden Protocol-T-Studie eine deutliche Visusverbesserung nach 1 Jahr Therapie.

Dieselbe Studiengruppe hat jetzt die Daten zum Einfluss dieser Wirkstoffe auf die diabetische Retinopathie bei Patienten des primär wegen DMÖ behandelten Kollektivs publiziert. Von den 650 Patienten, die über 2 Jahre die Injektionen erhielten (am engmaschigsten zu Beginn alle 4 Wochen), hatten 495 (76 %) eine nichtproliferative und 155 eine proliferative diabetische Retinopathie. Eine Verbesserung des Schweregrades der nichtproliferativen Retinopathie wiesen nach einem Jahr 22,1 % der mit Bevacizumab, 31,2 % der mit Aflibercept und 37,7 % der mit Ranibizumab behandelten Augen auf, allerdings mit unterschiedlicher statistischer Signifikanz (p = 0,004 Aflibercept vs. Bevacizumab; p = 0,01 Ranibizumab vs. Bevacizumab; p = 0,51 Aflibercept vs. Ranibizumab).

Bei Patienten mit einer proliferativen Retinopathie hatte Aflibercept nach einem Behandlungsjahr den größten Effekt mit einer Befundbesserung bei 75,9 % im Vergleich zu 55,5 % unter Ranibizumab und 31,4 % unter Bevacizumab (p < 0,001 Aflibercept vs. Bevacizumab; p = 0,09 Ranibizumab vs. Bevacizumab; p = 0,02 Aflibercept vs. Ranibizumab). Insgesamt konnten die Behandlungserfolge des 1. Jahres trotz der niedrigeren Injektionsfrequenz im 2. Jahr im Durchschnitt gehalten werden.

Der Anteil der sich während des Behandlungszeitraumes verschlechternden Befunde war in allen Gruppen niedrig: in einer Größenordnung von 7 % bis 10 % und damit deutlich unter der für den natürlichen Verlauf der Krankheit zu erwartenden Progression.

Fazit: „Wichtiger noch als die Effekte der VEGF-Inhibitoren auf die Retinopathie im Verlauf von 2 Jahren ist die Frage, wie nachhaltig diese Verbesserungen langfristig ohne Dauerinjektionen sind“, erklärt Prof. Dr. med. Focke Ziemssen von der Universitätsaugenklinik Tübingen. „Immerhin ist Ranibizumab in einer Dosierung von 0,3 mg von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zur Behandlung der Retinopathie ohne Makulaödem zugelassen worden und konkurriert hier für die proliferativen Szenarien bereits mit der panretinalen Laserung“, so Ziemssen. „Die Fallzahlen der explorativen Analyse sind aber noch zu klein, um eventuelle Unterschiede zwischen Aflibercept und Ranibizumab einerseits und Bevacizumab andererseits verlässlich beurteilen zu können.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Bressler SB Liu,D, Glassman AR, et al.: Change in diabetic retinopathy through 2 years secondary analysis of a randomized clinical trial comparing aflibercept, bevacizumab, and ranibizumab. JAMA Ophthalmol 2017; 135: 558–68.

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