ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Schweres Asthma bronchiale: Gezielte Therapien nötig

PHARMA

Schweres Asthma bronchiale: Gezielte Therapien nötig

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-714

Reisdorf, Simone

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Neue Arzneimittel gegen schweres Asthma sollten idealerweise auch den Phäno- und Endotyp der Asthmaerkrankung berücksichtigen. Mit dem humanen monoklonalen Antikörper Dupilumab ist ein Wirkstoff in der klinischen Prüfung, der effektiv in verschiedenen Subgruppen wirkt.

Mehr als jeder zweite Asthmapatient weist eine Typ-2-Inflammation auf, bei der Zytokine – insbesondere Interleukine (IL) – eine wichtige Rolle spielen. Etliche Patienten können mit den bisher verfügbaren Therapien nicht ausreichend kontrolliert werden. Das in klinischer Prüfung befindliche Dupilumab bietet einen neuen Wirkansatz und zeigte in randomisiert-kontrollieren Studien vielversprechende Ergebnisse. Neue Erkenntnisse haben dazu geführt, Asthmapatienten vielfach einzuteilen, etwa in jene mit:

  • allergischem (extrinsischem) vs. nicht-allergischem (intrinsischem) Asthma,
  • früh vs. spät einsetzendem (Late-Onset-)Asthma,
  • eosinophilem vs. nicht-eosinophilem Asthma oder
  • Asthma mit vs. ohne zugrunde liegende Typ-2-Inflammation.

Hohe Eosinophilenzahlen

Anzeige

Dabei gibt es einige Überschneidungen. Es spricht für eine Typ-2-Inflammation, wenn die Patienten hohe Eosinophilenzahlen im Lungengewebe und im Blut aufweisen und wenn sie auf Glukokortikosteroide sowie auf Inhibitoren von Typ-2-Entzündungsreaktionen (wenigstens teilweise) respondieren. Darüber hinaus wird das Asthma nach seiner Schwere differenziert. Die WHO fächert schweres Asthma nochmals in drei Subgruppen auf:

  • unbehandeltes schweres Asthma (Patienten fehlt „nur“ die leitliniengerechte Therapie),
  • schwierig zu behandelndes Asthma (Patienten mangelt es an Therapieadhärenz) sowie
  • unkontrolliertes, persistierendes, tatsächlich therapierefraktäres schweres Asthma.

„Letztere sind die Patienten, die gezielte Therapien benötigen, etwa Biologika“, betonte Prof. Dr. Tobias Welte, Hannover. Diese neuen Arzneimittel sollten idealerweise auch den Phäno- und Endotyp der Asthmaerkrankung berücksichtigen.

Neben den bereits verfügbaren Biologika, die am Immunglobulin E (IgE) oder am Signalweg von IL5 ansetzen, befindet sich ein gegen IL-4 und IL-13 gerichteter humaner monoklonaler Antikörper, Dupilumab, derzeit in klinischer Entwicklung. IL-4 und IL-13 spielen eine wichtige Rolle in der Exprimierung, Aktivierung und Kommunikation von Lymphozyten und weiteren Immunzellen im Rahmen der Typ-2-Inflammation bei Asthma und anderen allergischen Erkrankungen, etwa bei atopischer Dermatitis (AD) oder Polyposis nasi. Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer AD ist Dupilumab unter dem Namen Dupixent® bereits zugelassen.

In die pivotale Phase-III-Studie LIBERTY ASTHMA QUEST waren weltweit 1 902 Patienten mit unkontrolliertem schwerem Asthma eingeschlossen. Sie wurden auf zwei verschiedene Dosen Dupilumab vs. Placebo randomisiert. Nach einem Jahr hatten Patienten mit zweiwöchentlich 300 mg Dupilumab um 46 Prozent seltener schwere Asthmaanfälle als die Kontrollpatienten. Dieser Erfolg war noch deutlicher in den Subgruppen mit hohen Eosinophilenzahlen im Blut: Bei Patienten mit ≥ 150 beziehungsweise ≥ 300 Eos/µL wurden schwere Asthmaanfälle sogar um 60 respektive 67 Prozent reduziert (jeweils p < 0,001). Die Lungenfunktion laut FEV1 besserte sich im Therapiearm mit 300 mg Dupilumab im Vergleich zu Placebo in zwölf Wochen hochsignifikant um 130 ml (neun Prozent; Gesamtkollektiv), um 210 ml (elf Prozent; Subgruppe ≥ 150 Eos/µL) beziehungsweise um 240 ml (18 Prozent; Subgruppe ≥ 300 Eos/µL).

Dosisreduktion erreicht

An der VENTURE-Studie nahmen 210 Patienten mit schwerem Asthma teil, die bereits regelmäßig orale Kortikosteroide (OCS) benötigten. OCS sind mit erheblichen unerwünschten Wirkungen assoziiert; eine Dosisreduktion ist deshalb wünschenswert. Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 auf eine Zusatztherapie mit zweiwöchentlich 300 mg Dupilumab vs. Placebo randomisiert. Nach 24 Wochen war im Gesamtkollektiv die OCS-Verordnung im Durchschnitt um 70 Prozent verringert, in der Placebogruppe betrug die Einsparung nur 42 Prozent (p < 0,0001). Auch in dieser Studie schnitten wiederum die Patienten mit hohen anfänglichen Eosinophilenzahlen besonders gut ab, wenn sie mit Dupilumab behandelt wurden. Mehr als die Hälfte der Patienten unter Dupilumab benötigte gar keine OCS mehr.

Unkontrolliertes schweres Asthma ist mit einer schlechten Lebensqualität und ungünstiger Prognose, mit häufiger Arbeitsunfähigkeit und hohen direkten und indirekten Kosten assoziiert. „Wenn die Patienten durch eine moderne Therapie wieder in ihr Berufs- und Alltagsleben zurückkehren können, dann ist der Nutzen für sie selbst und für die Gesellschaft enorm“, betonte Prof. Dr. Marek Lommatzsch, Rostock. Simone Reisdorf

Quelle: Meet-the-Expert: „Schweres Asthma: Typ-2-Inflammation im Fokus“, DGP-Kongress in Dresden, Veranstalter: Sanofi

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema