ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Laborreform: Honorarkürzung durch Hintertür
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Am 1. April trat die neue Laborreform in Kraft. Ziel sollte sein, den „überproportional steigenden Anteil an Kosten für Laborleistungen zu begrenzen“ (Frauenarzt 3–2018, S. 258, Autorin D. Scharrel). Erst nach langwieriger, mühsamer Auseinandersetzung mit den Einzelheiten wird der Fachgruppe Frauenheilkunde klar, was diese Reform eigentlich im Einzelnen für uns bedeuten wird:

Kernpunkt der Reform ist der Wirtschaftlichkeitsbonus, den man als Praxis erhalten kann, wenn man bei der Veranlassung von Laboruntersuchungen bestimmte Laborkosten nicht überschreitet.

Wir fragten uns: Ist das Erreichen des Wirtschaftlichkeitsbonus ab April eigentlich noch möglich? Bei einer beispielhaften gynäkologischen Praxis mit 1 000 Scheinen pro Quartal beträgt der Grenzfallwert, der der Praxis ab 1.4.2018 zur Verfügung steht, ca. 1 Euro, also ca. 1 000 Euro Laborkosten pro Quartal. Wird

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dieser Wert überschritten, wird der Wirtschaftlichkeitsbonus gekürzt, ab ca. 2 600 Euro entfällt er.

Bisher war es (nicht nur) unserer Fachgruppe durch diverse Ausnahmeziffern möglich, z. B. gynäkologisch-endokrinologische Laboruntersuchungen zu veranlassen, die unser Budget für das Speziallabor nicht belastet haben. Die Ausnahmeziffern für diese Laboruntersuchungen entfallen nach der neuen Regelung. ...

Was ist die Konsequenz? Schicken wir jetzt alle Patientinnen zur endokrinologischen Abklärung an Kollegen mit der Spezialisierung auf Reproduktionsmedizin? Alle unsere onkologischen Patientinnen zum Onkologen? Alle unsere Schwangeren mit Schilddrüsenproblemen zum Hausarzt?

Unabhängig davon, dass im Wirkungskreis der Autoren (Stadt und Kreis Aachen sowie Kreis Düren) nicht genug spezialisierte Zentren für 137 Frauenärzte/-innen vorhanden sind, um diese Fälle aufzufangen, werden damit keine Kosten gespart, sondern eher mehr generiert, da jeweils neue Behandlungsfälle entstehen.

Notgedrungen werden wir wohl unseren Patientinnen die gewohnte, durch viele Weiterbildungen erworbene Qualität der medizinischen Betreuung weiterhin anbieten und damit auf den Wirtschaftlichkeitsbonus verzichten müssen.

Die von der KV angestrebte Kosteneinsparung wird somit nicht durch eingesparte Laboranforderungen, sondern durch eine indirekte Honorarkürzung erbracht! ...

Katja Berger, Fara Maleki, Dagmar Tillmann, Dr. med. Wolf-Dieter Weiß, Dr. med. Carmen Reque
Frauenärzte/innen eines Qualitätszirkels in Aachen und Düren

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