ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Bundesversicherungsamt: Akquise von Gesunden steht für Krankenkassen im Vordergrund

AKTUELL

Bundesversicherungsamt: Akquise von Gesunden steht für Krankenkassen im Vordergrund

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-678 / B-588 / C-588

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
In einem Sonderbericht übt das Bundesversicherungsamt teils deutliche Kritik an den Krankenkassen. Foto: dpa
In einem Sonderbericht übt das Bundesversicherungsamt teils deutliche Kritik an den Krankenkassen. Foto: dpa

Krankenkassen nutzen Spielräume, die eigentlich die Versorgung verbessern sollen, vorrangig zur Akquise von möglichst gesunden Mitgliedern. Das geht aus einem Sonderbericht des Bundesversicherungsamtes (BVA) zum Wettbewerb in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung hervor. Die wettbewerbliche Ausgestaltung des Systems habe sich nach Einschätzung aller Experten im Gesundheitswesen im Wesentlichen zwar bewährt, schreibt BVA-Präsident Frank Plate. Es sei aber „auch nicht alles Gold, was vermeintlich glänzt“. Zum Beispiel gebe es bisher keine Satzungsleistungen für Rehabilitation, was darauf schließen lasse, dass Kassen Zusatzleistungen vor allem zur Bindung und Akquise von Versicherten mit guten Risiken anböten, heißt es. Das BVA schlägt dem Gesetzgeber vor, Satzungsleistungen auf evidenzbasierte Angebote zu beschränken. Ähnlich kritisch sieht die Aufsichtsbehörde die Bonusprogramme. Diese würden ebenso dazu genutzt, junge, gesunde sowie sportliche Versicherte anzusprechen und zu binden. Zudem sei deren Nutzen nicht hinreichend qualitätsgesichert. „In der Aufsichtspraxis stellt das BVA fest, dass Bonusprogramme häufig in der Mitgliederwerbung unzulässig eingesetzt werden“, heißt es im Bericht. Zusammenfassend schlägt das BVA vor, „über den Fortbestand der gesetzlichen Regelungen zur Entwicklung von Bonusprogrammen nachzudenken“. Kritik übt das BVA auch am Selektivvertragsangebot. „Die Krankenkassen nutzen Selektivverträge vor allem, um Ausgaben durch die Verlagerung stationärer Leistungen in die ambulante Versorgung zu sparen“, schreibt das BVA. Viele Selektivverträge verletzten gar die gesetzlichen Vorgaben. Um rechtswidrige Vertragsgestaltungen wirksam beseitigen zu können, schlägt das BVA die Wiedereinführung einer Anzeigepflicht von Selektivverträgen vor. hil

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema