ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Randnotiz: Der Rollator, mein Tanzpartner

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Randnotiz: Der Rollator, mein Tanzpartner

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-679 / B-589 / C-589

Maybaum, Thorsten

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Ich gehe heute tanzen mit meinem Rollator. Nein, nicht mit diesen grauen Dingern, die vorne eine Sitzgelegenheit haben und noch sperriger zu schieben sind als ein Einkaufswagen. Das Gerät, das Magdeburger Sportwissenschaftler erfunden haben, nennt sich Sport- und Tanzrollator. Der soll auch Menschen mit einer leichten körperlichen Beeinträchtigung helfen, sich sportlich zu betätigen. Die Idee ist schon fast zehn Jahre alt. Damals boomte der Rollatortanz in den Niederlanden. Sportwissenschaftlerin Anita Hökelmann von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg schaute sich das vor Ort an und stellte fest: Die Mobilität ist durch die feststehenden Räder des Standardrollators eingeschränkt. Die Senioren können immer nur im Kreis fahren. „Das ist zwar besser als gar keine Bewegung“, meint die Sportwissenschaftlerin. „Aber wir dachten, das muss besser gehen.“ Daher kann sich der Tanzrollator folglich in alle Richtungen bewegen. Durch Armstützen sind Senioren gezwungen, die nach vorne gebeugte Schonhaltung aufzugeben und sich gerade aufzurichten. In Heimen wurde das Gerät über mehrere Wochen getestet. „Musik spricht jeden an, selbst die Gebrechlichsten“, sagt Hökelmann. Da zucke schon bei den ersten Takten das Tanzbein – und das Tanzen funktioniere auch in Gruppen und mit einem nicht behinderten Partner. Einen Haken gibt es den Forschern zufolge auch: Der Tanzpartner ist aus Metall und spricht nicht. Aber die Bewegung allein bringt viele Vorteile. Künftig soll es auch ein hochkomplexen System für die Demenzpatienten geben. Für die Erforschung sind rund zwei Jahre veranschlagt.

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