ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018Typ-1-Diabetes: Bessere Lebensqualität nach Inselzelltransplantation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-1-Diabetes: Bessere Lebensqualität nach Inselzelltransplantation

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-712 / B-614 / C-615

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Inselzelltransplantationen können die Lebensqualität von Menschen mit Typ-1-Diabetes, die unter schweren Hypoglykämien leiden, erheblich verbessern (1). Die Therapie wird selten vorgenommen, da zum einen zu wenig Spenderorgane zur Verfügung stehen. Zum anderen macht die Transplantation eine lebenslange Immunsuppression erforderlich, die vermutlich mehr gesundheitliche Nachteile hat als die regelmäßigen Injektionen von Insulin. Die noch weitgehend experimentelle Therapie kommt daher nur für jene infrage, die wegen einer Nierentransplantation ohnehin immunsupprimiert werden oder bei denen es zu lebensgefährlichen Hypoglykämien gekommen ist.

48 Teilnehmer einer multizentrischen Phase-3-Studie in den USA und Kanada hatten in den letzten Jahren trotz intensiver Betreuung zumindest eine lebensbedrohliche Unterzuckerung erlitten. Besonders betroffen waren Patienten ohne Restproduktion von Insulin in den Betazellen.

Das Team um Eric Foster von der Universität in Iowa City berichtet, dass 42 der 48 Patienten (88 %) seit der ersten Inselzelltransplantation (einige benötigen mehrere Behandlungen) ohne schwere hypoglykämische Ereignisse blieben.

Auch Patienten, die nach der Inselzelltransplantation noch auf Insulininjektionen angewiesen waren, wurden vor weiteren Blutzuckerabfällen verschont. Den meisten Patienten gelang es mit oder ohne zusätzlichen Insulininjektionen, den Blutzucker zu stabilisieren und den HbA1c-Wert auf unter 7 % zu senken. 

Fazit: Die jetzt vorgenommene Befragung mit 4 Fragebögen (darunter 2 speziell für Diabetiker) zeigt, dass sich die Lebensqualität der Patienten durch die Inselzelltransplantationen deutlich verbessert hat. Zwar konnte nur die Hälfte ganz auf Injektionen verzichten. Aber die neuen Inselzellen sollten ohnehin nur so viel Insulin produzieren, dass Hypoglykämien verhindert beziehungsweise rechtzeitig durch Warnsymptome auffielen. Die Kranken hatten weniger Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit ihrem Diabetes. Dies wog den Nachteil der Immunsuppression und der mehrmals täglich erforderlichen Blutzuckerkontrollen auf. Rüdiger Meyer

  1. Foster ED, et al.: Improved Health-Related Quality of Life in a Phase 3 Islet Transplantation Trial in Type 1 Diabetes Complicated by Severe Hypoglycemia. Diabetes Care 2018. dc171779.

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