ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2018RESIST: Dialog über Antibiotika-Verordnung

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RESIST: Dialog über Antibiotika-Verordnung

Dtsch Arztebl 2018; 115(15): A-691 / B-597 / C-598

Beerheide, Rebecca

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Entgegen der Leitlinie werden bei akuten Atemwegsinfekten oftmals Antibiotika verordnet. Im Projekt RESIST des Innovationsfonds sollen Ärzte und Patienten über den Umgang mit dem Medikament sensibilisiert werden.

Antibiotika zur Behandlung einer akuten Atemwegserkrankung: Was von Patientinnen und Patienten in der Sprechstunde gefordert und daraufhin von Ärztinnen und Ärzten verschrieben wird, soll in dem Projekt „RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ erforscht werden. Ziel ist, die nicht indizierte Verordnung von Antibiotika zu verringern und den leitliniengerechten Einsatz von Breitbandantibiotika zu verbessern. Diese werden im europäischen Vergleich in Deutschland bei Atemwegserkrankungen zu oft verschrieben. Projektpartner sind der Verband der Ersatzkassen (vdek) und seine sechs Mitgliedskassen sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und acht Kassenärztliche Vereinigungen.

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Foto: andrei r/iStockphoto
Foto: andrei r/iStockphoto

Schwerpunkt des Projektes ist die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten. Dabei sollen Patienten stärker über Wirkung und die Risiken von Antibiotika aufgeklärt werden. Ärzte sollen geschult werden, wie sie die Erwartung nach einem Antibiotikum bei akuten Atemwegserkrankungen reagieren können. In einer Onlinefortbildung, die speziell für das Projekt entwickelt wurde, lernen Hausärzte, Internisten, HNO-Ärzte sowie Pädiater zunächst unterschiedliche Varianten der Arzt-Patienten-Kommunikation. Dabei steht die Beratung sowie die Aufklärung im Mittelpunkt. „Die Entscheidung, ob ein Antibiotikum eingesetzt werden muss, bleibt beim Arzt“, betont Julia Iwen, RESIST-Projektleiterin. Der zweite und dritte Teil der Onlinefortbildung beschäftigt sich mit der leitliniengerechten Versorgung der oberen sowie unteren Atemwegserkrankungen. Da die Schulung relativ umfangreich ist, können sich niedergelassene Ärzte sechs CME-Fortbildungspunkte anrechnen lassen. Zur Unterstützung der Aufklärung in der Sprechstunde wurden Flyer, Praxisposter und Patienteninformationen entwickelt.

Im zweiten Schritt sollen Ärzte ihr Verordnungsverhalten mit Vergleichsstatistiken und Feedbackberichten analysieren.

Seit Projektstart Ende 2016 wurden die Fortbildungsmaterialien entwickelt sowie die teilnehmenden Ärzte in den acht KV-Regionen rekrutiert, berichtet der vdek. Das Projekt hatte Kapazitäten für 3 000 Ärzte der vier Facharztgruppen, insgesamt sind nun 2 460 Ärzte für das Projekt eingeschrieben. Seit dem 1. Juli 2017 können die Beratungsgespräche zum Antibiotikaeinsatz für Versicherte der sechs Ersatzkassen abgerechnet werden.

Bislang konnten Daten für drei Abrechnungsquartale erhoben werden. Diese werden nun vom Institut für Allgemeinmedizin an der Uni Rostock sowie dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) ausgewertet. Zwischenergebnisse werden für Ende 2018 erwartet. Insgesamt sind bis Mitte 2019 Daten von acht Abrechnungsquartalen für die Evaluation vorhanden.

Daraus erhoffen sich vdek und die KBV Verbesserungen für die Versorgung: „Es schärft das Bewusstsein aller Beteiligten und hilft, zu große Erwartungshaltungen aufseiten der Patienten einzudämmen“, so KBV-Sprecher Roland Stahl. „Wir konnten mit dem Projekt auf bestehende Strukturen aufbauen und daher wäre es aus unserer Sicht sehr einfach, es in die Regelversorgung zu übernehmen“, sagt Studienleiterin Iwen. Rebecca Beerheide

Projekt RESIST

Ziel: Verbesserung des Antibiotikaeinsatzes bei akuten Atemwegsinfekten in der vertragsärztlichen Versorgung sowohl in Bezug auf die Menge der eingesetzten Antibiotika als auch auf die eingesetzten Substanzen.

Förderung: 13,8 Millionen Euro für 39 Monate

Projektpartner: Verband der Ersatzkassen mit Barmer, Techniker Krankenkasse, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkassen, Handelskrankenkasse, Hanseatische Krankenkasse sowie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit den KVen in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe.

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