ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1999Börsebius zu Finanzhaien: In aller Stille

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Finanzhaien: In aller Stille

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es gibt durchaus ernst zu nehmende Stimmen, die sagen, der "graue Kapitalmarkt" hätte seinen Namen davon, weil viele Anleger irgendwann einmal halt grau im Gesicht werden, spätestens wenn Sie merken, daß Sie einem windigen Geschäftemacher vor die Flinte gelaufen sind. Faktisch kann durchaus unterstellt werden, daß sich im Bereich des grauen Kapitalmarktes in aller Regel Spitzbuben tummeln, denen es nur darum geht, Kunden über den Tisch zu ziehen. Mit subtiler juristischer Hilfe halten sich aber viele der Initiatoren rechtlich insoweit so auf der sicheren Seite, daß sie meist vor dem Zugriff des Staatsanwaltes gefeit sind. Die exorbitante Summe von 50 Milliarden Mark wird in diesem Genre Jahr für Jahr unseriösen Geschäftemachern anvertraut. Unglaublich, wie viele Leute auf die Lockverben wie "Steuern sparen" und "schnell reich werden" reinfallen. Viele der in diesem Metier angebotenen Projekte und Produkte sind vertragsrechtlich als "Stille Beteiligung" ausgestattet. Dabei gibt es einmal die typische stille Beteiligung und daneben auch noch die atypische. In der Hauptsache geht es allerdings immer darum, daß Sie als Investor dem Initiator der Beteiligung einen bestimmten Geldbetrag überlassen, und dieses Kapital wird einem Unternehmenszweck zugeführt, wie etwa dem Bau eines Containerschiffes, dem Errichten einer Windkraftanlage oder der Inbetriebnahme eines kleinen Blockheizkraftwerkes in Uganda. Manche Beteiligungssparpläne gehören übrigens auch dazu.
Typisch ist die Beteiligung dann, wenn der Geldgeber am Gewinn und am Verlust beteiligt wird. Bei der atypischen Beteiligung wird eben das eingeschränkt, oft sogar eine fester Zinssatz vereinbart.
Viele Anbieter machen ihrer potentiellen Klientel weis, daß sie schon per se seriös seien, weil Finanzdienstleister seit dem Inkrafttreten der 6. KWG-Novelle (KWG = Kreditwesengesetz) der Bankenaufsicht unterlägen. Vorsicht, das trifft einfach nicht zu! Die Initiatoren nutzen hier vielmehr ein Schlupfloch. Der gesamte Bereich der "stillen Beteiligungen" wird eben nicht von der gesetzlichen Neuregelung betroffen, was ich persönlich als einen gravierenden Fehler einschätze. Das wirkliche Problem bei stillen Beteiligungen ist eigentlich, daß viele Anleger einfach zu spät merken, sie sind windigen Geschäftemachern in die Hände gefallen. Unter Witzbolden kursiert entsprechend die Meinung, stille Beteiligungen hießen genau deswegen so, weil man später von der Beteiligung und dem Anbieter nichts mehr hören würde. Solch schwarzem Humor sollten Sie sich nun gewiß nicht aussetzen. Börsebius
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