Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Aktuell gibt es keine Leitlinienempfehlungen zum richtigen Zeitpunkt der operativen Therapie bei den angesprochenen Frakturen des hinteren Beckenrings. Daher wäre es wichtig, dazu große prospektive Studien durchzuführen. Unser Behandlungsalgorithmus (1) wurde auf Grundlage klinischer Erfahrung erstellt und soll lediglich als Vorschlag angesehen werden. Nach Versagen der konservativen Therapie ist sicherlich eine „frühzeitige“ minimalinvasive Vorgehensweise vorzuziehen. Sicherlich hat hier auch die CT-gestützte osteosynthetische Versorgung ihren Stellenwert. Da unser Hauptaugenmerk der Sensibilisierung für die oft unterschätzte geriatrische Beckenringfraktur galt, ließ es die Wortzahlbeschränkung nicht zu, alle Operationsverfahren detailliert zu diskutieren. Bei der iliosakralen Verschraubung kommt das CT-gestützte oder navigierte Verfahren in vielen Kliniken zum Einsatz und wurde auch in Studien beschrieben. Eine kürzlich veröffentlichte Multicenterstudie zeigte keinen Vorteil bezüglich der Schraubenlage (2). Die Zementaugmentation der Iliosakralgelenks-Schraube (ISG-Schraube) sollte nicht mit der Sakroplastie verwechselt werden, bei der lediglich eine Zementapplikation im Frakturzonenbereich erfolgt. Bei einer Zementaugmentation der Schraube im Sakralwirbel sollte darauf geachtet werden, dass der Zement am distalen Ende der Schraube, nicht in den Frakturspalt appliziert wird, um eine Frakturheilung zu ermöglichen. Eine prospektive Studie zeigt gute klinische und radiologische Ergebnisse bezüglich der zementaugmentierten ISG-Schraube (3). Die im Diskussionsbeitrag zitierte biomechanische Untersuchung zeigte bei einer Belastung von lediglich 10 000 Zyklen keinen wesentlichen Vorteil der Zementaugmentation. Allerdings haben wir bereits einen signifikanten Vorteil bezüglich der Primärstabilität zugunsten der Zementaugmentation nachgewiesen (4). Auch hierzu fehlen randomisierte prospektive Studien. Die Empfehlungen im Beitrag können deshalb, wie dort mehrfach angemerkt, lediglich auf der vorhandenen Literatur mit geringer Evidenzstufe und den klinischen Erfahrungen der Autoren basieren.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0284b

Für die Autoren

PD Dr. med. Ludwig Oberkircher

Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie

Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg

oberkirc@med.uni-marburg.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Oberkircher L, Ruchholtz S, Rommens PM, Hofmann A, Bücking B, Krüger A: Osteoporotic pelvic fractures. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 70–80 VOLLTEXT
2.
Verbeek J, Hermans E, van Vugt A, Frölke JP: Correct positioning of percutaneous iliosacral screws with computer-navigated versus fluoroscopically guided surgery in traumatic pelvic ring fractures. J Orthop Trauma 2016; 30: 331–5 CrossRef CrossRef
3.
Höch A, Pieroh P, Henkelmann R, Josten C, Böhme J: In-screw polymethylmethacrylate-augmented sacroiliac screw for the treatment of fragility fractures of the pelvis: a prospective, observational study with 1-year follow-up. BMC Surg 2017; 17: 1–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Oberkircher L, Masaeli A, Bliemel C, Debus F, Ruchholtz S, Krüger A: Commentary on the primary stability of three different iliosacral screw fixation techniques in osteoporotic cadaver specimens—a biomechanical investigation. Spine J 2016; 16: 233–4 CrossRef MEDLINE
1.Oberkircher L, Ruchholtz S, Rommens PM, Hofmann A, Bücking B, Krüger A: Osteoporotic pelvic fractures. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 70–80 VOLLTEXT
2. Verbeek J, Hermans E, van Vugt A, Frölke JP: Correct positioning of percutaneous iliosacral screws with computer-navigated versus fluoroscopically guided surgery in traumatic pelvic ring fractures. J Orthop Trauma 2016; 30: 331–5 CrossRef CrossRef
3. Höch A, Pieroh P, Henkelmann R, Josten C, Böhme J: In-screw polymethylmethacrylate-augmented sacroiliac screw for the treatment of fragility fractures of the pelvis: a prospective, observational study with 1-year follow-up. BMC Surg 2017; 17: 1–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4. Oberkircher L, Masaeli A, Bliemel C, Debus F, Ruchholtz S, Krüger A: Commentary on the primary stability of three different iliosacral screw fixation techniques in osteoporotic cadaver specimens—a biomechanical investigation. Spine J 2016; 16: 233–4 CrossRef MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige