ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018Keine Nachteile durch Digitoxin
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Die neue Klinische Leitlinie Chronische Herzinsuffizienz, vorgestellt im Deutschen Ärzteblatt (1), widmet sich einem aktuellen Thema, das in Deutschland Millionen Patienten betrifft. Insofern ist es bedauerlich, dass „Digitalisglykoside“ noch immer als Gruppenbezeichnung genannt werden. Dabei sollte nach leidvollen Erfahrungen zwischen dem bei Herzinsuffizienz hilfreichen Digitoxin (aus Digitalis purpurea) und dem hochriskanten Digoxin (aus Digitalis lanata) unterschieden werden. Es hat 50 Jahre gedauert, bis die Bevorzugung des Digoxins durch klinische Pharmakologen aufgrund pharmakokinetischer Untersuchungen an Medizinstudenten als Fehlentscheidung erkannt wurde. Denn eine Herzinsuffizienz bekommt man nicht mit 20 Jahren, sondern im Alter; dann hat sich die Nierenfunktion physiologisch so weit zurückgebildet, dass es zu Digoxin-Kumulationen mit lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen kommen kann. Bei einer Übersterblichkeit von bis zu 27 % in Studien unter Digoxin ließen sich dessen klinische Nachteile nicht mehr übersehen. Statt den Fehler rasch zu korrigieren, verzichtete man nun insgesamt weitgehend auf Glykoside. Es hätte näher liegen müssen, das altbewährte Digitoxin zu rehabilitieren. Der Brite J. Withering führte Folia digitalis im 18. Jahrhundert in die wissenschaftliche Medizin ein. Später wurde Digitoxin zum unentbehrlichen Medikament bei Herzinsuffizienz. Studienergebnisse zu Nachteilen des Digitoxin gibt es nicht. Die von den Experten geforderten Positivstudien wollte seitens der Pharmaindustrie niemand bezahlen. Seit einigen Jahren läuft an der Medizinischen Hochschule Hannover eine mit Steuermitteln bezahlte Studie. Ergebnisse werden Ende 2019 erwartet. Zwischenergebnisse zeigten eine Lebensverlängerung unter Digitoxin und bestätigen mein Plädoyer „Renaissance von Digitoxin überfällig“ von 2016. Dieses (2) blieb leider unbeachtet, zumindest seitens der Verantwortlichen. Irgendwann kommt das Umdenken. Die Patienten werden ihren Ärzten dankbar sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0285a

Prof. Dr. med. Christian Tauchnitz

Leipzig

tauchnitz.christian@web.de

1.
Edelmann F, Knosalla C, Mörike K, Muth C, Prien P, Störk S: Clinical practice guideline: Chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 124–30. VOLLTEXT
2.
Tauchnitz C: Correspondence (letter to the editor): the renaissance of digitoxin is overdue. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 39 VOLLTEXT
1.Edelmann F, Knosalla C, Mörike K, Muth C, Prien P, Störk S: Clinical practice guideline: Chronic heart failure. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 124–30. VOLLTEXT
2. Tauchnitz C: Correspondence (letter to the editor): the renaissance of digitoxin is overdue. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 39 VOLLTEXT

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