ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2018John Rittmeister †: Ärztlicher Widerstand gegen Hitler

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John Rittmeister †: Ärztlicher Widerstand gegen Hitler

Dtsch Arztebl 2018; 115(16): A-773 / B-659 / C-659

Teller, Christine; Hamann-Roth, Matthias

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John Rittmeister, Foto: privat

Vor 75 Jahren, am 13. Mai 1943, wurde Dr. med. John Rittmeister in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Der Nervenarzt und Psychoanalytiker zählte zu den wenigen Ärzten, die ihre Opposition gegen das Regime der Nationalsozialisten mit dem Leben bezahlten. Rittmeister, 1898 geboren, entstammte einer Hamburger Kaufmannsfamilie. Nach dem Abitur 1917 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Später studierte er Medizin. Mehrere Jahre arbeitete er als Arzt in der Schweiz, bevor er 1937 nach Deutschland zurückkehrte. Die Schweiz hatte seine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert, weil er in Zürich Kontakt zu deutschen Emigranten und einer sozialistischen Arbeiter- und Studentengruppe pflegte.

Rittmeister arrangierte sich nicht mit den politischen Verhältnissen in Berlin, wo er ab 1939 die Poliklinik des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie leitete. Er unterstützte rassisch und politisch Verfolgte. Ende 1941 schloss er sich einer Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack an. Die sogenannte Rote Kapelle galt lange als sowjetische Spionageeinheit, eine Bewertung, die die historische Forschung widerlegt hat. Zum Verhängnis wurde Rittmeister, dass er an einer Flugschrift von Schulze-Boysen mitarbeitete, die die Propaganda vom Endsieg als Lüge entlarvte. Rittmeister wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt. Zum Gedenken findet am 13. Mai um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Hamburg-Nienstedten eine Feier statt.
Christine Teller,, Dr. med. Matthias Hamann-Roth

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